Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1927)
- Article
- Die Geschichte meines Taubenschlags
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 3)
- Language
- German
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26 MENORAH Pjatnitzkijs und seinen silbernen Bart. Er unterbrach mich nicht und sagte nur zu Karawajew, der sowohl auf mich, als auch auf Puschkin stolz war: ,,Welch eine Nation, Eure Judenjüngel," flüsterte er, „verteufelte Kerle..." Und als ich schwieg, sagte er: „Es ist gut, geh mein Lieber!..." Ich ging aus dem Klassenzimmer auf den Korridor, wo ich, an die kalkgetünchte Wand gelehnt, mich langsam aus dem Traum der Krämpfe gehetzten Wildes in die Wirklichkeit zurücklebte. Rings um mich spielten russische Knaben, die Gymnasiumglocke hing, nicht weit von mir, in der Treppennische, der kleine Aufseher döste auf einem armseligen Sessel vor sich hin. Ich blickte ihn an und war wieder bei Sinnen. Die Kinder näherten sich mir von allen Seiten. Sie wollten mit mir Händel beginnen oder auch nur einfach spielen, als im Korridor Pjatnitzkij auftauchte. Als er an mir vorbeikam, blieb er plötzlich stehen, und sein Gehrock stand in einer schweren, trägen Welle vom Rücken ab. Verwirrt blickte ich auf diesen breiten, fleischigen und hoheitsvollen Rücken, dann trat ich an den Alten heran. „Kinder," wandte er sich an die Gymnasiasten, „tut diesem Knaben nichts zuleide!" Und er legte seine fette, zärtliche Hand auf meine Schulter. „Mein Freund," wandte sich Pjatnitzkij, der Stellvertreter des Schulkurators, an mich, „sage deinem Vater, daß du in die erste Klasse aufgenommen bist." Ein üppiger Stern glänzte an seiner Brust, die Orden klapperten darauf, und sein großer, schwarzer Monturkörper begann sich auf den steifen Beinen zu entfernen. Er schien von den düsteren Mauern, die zu beiden Seiten liefen, beengt zu sein; er bewegte sich zwischen ihnen wie eine Barke in tiefem Kanal und verschwand schließlich hinter der Tür des Direktionszimmers. Der kleine Aufseher trug ihm mit feierlich geräuschvollem Wesen Tee hinein, ich aber lief nach Hause, in den Laden. In unserem Laden saß ein Käufer, ein Muschik, und kratzte sich eben voll quälender Ungewißheit hinterm Ohr. Als der Vater meiner ansichtig wurde, ließ er den Muschik in Stich und schenkte selbstverständlich meiner Erzählung vollen Glauben. Er beauftragte den Verkäufer, das Geschäft sofort zu sperren und stürzte davon, in die Sobornajastraße, um mir eine Gymnasiastenmütze zu kaufen. Nur mit Mühe konnte mich meine arme Mutter von diesem wie irrsinnig gewor-