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Menorah · 1927-01-01 · Heft 1 (Januar 1927) · p. Seite 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 1 (Januar 1927)
Article
Aktenstücke zur Geschichte der Judenpogrome in Rußland im Jahre 1881
Date
1927-01-01
Page
Seite 9 (sequence 3)
Language
German
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AKTENSTÜCKE ZUR GESCHICHTE DER POGROME 9 Mangelhaftigkeit der Behörden hat sich bei diesem Anlasse wieder in bedrohlicher Weise kundgegeben. Wie die Nihilisten in Petersburg den Erfolg auf ihrer Seite haben, so können nun auch die anonymen Anstifter der Judenhetzen mit Befriedigung auf ihr Werk blicken. Nebst der Panique, welche die jüdische Bevölkerung ergriffen hat, deren Eigentum und Haut trotz aller von der Regierung angewendeter Mittel noch in steter Gefahr schweben, herrscht eine lebhafte Beunruhigung unter den höheren besitzenden Klassen, den Großindustriellen und dem Adel, in dessen Händen alle nicht jüdischen großen Fabriken und industrielle Unternehmungen sich befinden — nicht geringer sind die Befürchtungen des Handelsstandes, wenn in Stapelplätzen wie Kiew, Odessa, Moskau die Sicherheit des Eigentums in Frage gestellt erscheint. Die besitzenden Klassen in jenen Gouvernements sind terrorisiert durch die unteren Volksschichten, deren schlechteste Instinkte durch die Aussicht auf straflose Gewalttätigkeit und Raub an den ihnen verhaßten Juden zuerst — und dann vielleicht an dem ihnen ebenso verhaßten Adel aufgestachelt sind. Demgegenüber zeigt sich die Regierung noch heute unentschlossen und schwach, obwohl sie nun vollkommen die Gefahr der Situation und den enormen ökonomischen Schaden begreift, der dem Lande durch die Vorgänge droht. Anfangs verkannte man hier die Bewegung gänzlich und hielt sie wirklich nur für eine lokale Judenhetze, wie sie zur Osterzeit zeitweise beinahe in allen Ländern, und hier sehr häufig vorkommen — man erlaubte deshalb auch nicht den Gebrauch der Waffen gegen die Ruhestörer und Plünderer; man scheute sich, gegen das „rechtgläubige russische Volk", welches in einer bedauernswerten Verirrung sich zu Gewalttätigkeiten gegen Juden hatte „verleiten" lassen, zu schießen. Auch das Militär hatte keine rechte Lust, einzugreifen, und so war es möglich, daß trotz großer Garnisonen die Tumultuanten die Stärkeren waren, und die Autorität der Behörden verhöhnt werden konnte. Bis heute ist es noch unaufgeklärt, durch welchen Anlaß diese großartigen Judenhetzen zuerst hervorgerufen wurden, wie die plötzliche Vertilgungswut unter dem Pöbel entstanden und von welchen Händen das systematische Zerstörungswerk geleitet worden ist. In Petersburg, wo man eben jetzt hinter allem die Nihilisten wittert und mit dieser Bezeichnung nicht kargt, klagt man dieselben ziemlich allgemein als Anstifter an, vergessend, daß man vor kurzem noch die Juden als die Hauptträger des Nihilismus bezeichnete. Im westlichen Europa ist man geneigt, den Hetzereien der orthodoxen moscovitischen Blätter aus der Schule Katkoffs2) die Schuld für

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