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Menorah · 1926-12-01 · Heft 12 (Dezember 1926) · p. Seite 715

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 12 (Dezember 1926)
Article
Fiebertraum
Date
1926-12-01
Page
Seite 715 (sequence 2)
Language
German
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P A U L M Ü II S A M die Bundcsladc durch alle Windungen meines Hirns. Vermumm lc Gcslallen stehen hinler der Klagemauer meiner Stirn und schlagen mit monotonem Gemurmel an ihre Brust. Jahrlausendalle Gedanken zucken mir durchs Mark und reißen an den Glockensträngen meiner Seele. Und quälender Wahn schleicht gespenstergleich vom Ahn zum Enkel durch mich hindurch. Davon ist so schwer mein Blut. Darum ist soviel Wehmut in mir. Darum ist so tiefes Sinnen in mir. Ich hin ein Becher, den die Vergangenheil der Zukunft reicht. Weh, wenn ich einen Tropfen Weines verschütte! Ich bin ein Amboß, auf dem der Hammer der Ewigkeit Gottes Gold schmiedet. Weh, wenn ein Goldblalt im Winde verweht! BÜCHER VON PAUL MÜHSAM: GESPRĬ CHE MIT GOTT. (Verlag von Gotthold Rödel & Co., Dresden.) AUS DEM SCHICKSALS¬ BUCH DER MENSCHHEIT, MEHR MENSCH, VOM GLÜCK IN DIR, AUF STILLEN WEGEN. (Verlag von Fr. Wilh. Grunor, Leipzig.) DER EWIGE JUDE (Ernst Oldenburg, Verlag.) ,,Kommet zu mir alle, die ihr die Ehrfurcht verloren habt und stellt die Kurbel des Alltags ab, denn ich habe euch etwas zu sagen, was sich wie die Flut der Feicrtagsslille in euer Herz ergießen soll." Diese Worte aus einem seiner Bücher illustrieren die Aufgabe, die der Verfasser, ein schlesischer Dichter, sich gestellt hat. Er will die Menschen aus dem Alltag zum Feierlag, aus der Niederung zur Höhe führen. Das Ringen um und mit Gott, das Ringen um sich selbst ist das Thema aller Betrachtungen. Gleich den Propheten, denen das Religiöse Aufgabe und Ziel ihres Wirkens war, stellt der Verfasser Gott in den Mittelpunkt des Denkens. In einer wunderbaren, ins Herz eindringenden Sprache, die an die Sprache der Propheten, der Psalmislen und zuweilen lliobs erinnert, weiß der Verfasser immer wieder in dichterischer Sprache und Schönheil seinem Thema neue Seiten, neue Weisen abzulauschen. Weihevolle Stimmung geht von den Büchern aus und dringt in das Herz des Lesers. Wie die Propheten mit heiligem Feuer das Volk ermahnten und belehrten, um es zu läutern und zu bessern, so wird auch der Verfasser zum Erzieher seines Volkes, nein, zum Erzieher der Menschheit. Der Mensch muß sich erst selbst erkennen, wenn er gesunden soll. Er legt die Sonde in die Wunde der Menschen, um sie zu heilen, doch nicht ohne den bitteren Schmerz der Selbsterkenntnis beredet zu haben. Aus Liehe zu den Mensehen zeigt er ihnen ihre Felder und Gebrechen, um sie edler und reiner zu machen: „Der ich euch anklage vor dem Richterstuhl der Ewigkeit, ich reiche euch in gleicher Stunde einen Stab euch aufzurichten." Schonungslos, doch etwa nicht lieblos deckt er die Schäden auf und verlangt mehr Tiefe, mehr Ewigkeit, mehr Pflicht, mehr Wahrheil, mehr Friede, mehr Freude, mehr Liebe, mehr Hoffnung. „Daß ihr die Hände zu falten euch entwöhntet, das ist euer Unglück" und sucht in reinen, schönen Worten die Mensehen mehr Glauben zu lehren. Er kennt nur Menschen ohne jeglichen Unterschied: „Was tut's, ob die Wiege des einen im Osten und die des anderen im Westen stand? Müssen sie sich darum mit Spott überspülen? Wenn des einen Haut hell und die des anderen dunkel, müssen sie sich darum wie Tiere zerfleischen?", so mahnt er die Mensehen zu mehr Liebe. Mehr Friede, ja Friede verlangt er, und noch unter dem Schatten des Krieges stehend, predigt er den Krieg gegen den Krieg in der Erkenntnis, „daß die Menschheit nur einen Feind hat: sich selbst, und daß es nur e i n e n gerechten Krieg gibt: gegen den Krieg." Die Bücher des Dichters geben uns Feierstunden. Möchten doch die Menschen sich an ihnen laben!

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