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Menorah · 1926-12-01 · Heft 12 (Dezember 1926) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 12 (Dezember 1926)
Article
Fiebertraum
Date
1926-12-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Paul y^XlhsOLTTi: Aus der Dichtung: „Der ewige Jude' FIEBERTRAUM Ahasver: Ich hab' die Welt durchpilgert Wohl lausend und tausend Jahr, Wüßt nicht mehr, woher ich gekommen, Wo meine Wiege war. Ich hab' die Welt durchpilgert, Tand nirgends Herd und Ruh'. Ich hab' zurückgefunden. Erinnrung quillt mir zu, Quillt mir aus deinen Brunnen, Du Braut, Jerusalem. Mir reichen deine Hände Mein Dulderdiaclem. In meinem Barte hängen Die Flocken langer Zeil, Besät vom Klang der Klagen Ist mir mein Pilgcrkleid. Mein Lächeln war ertrunken, Von Tränen fortgeschwemmt. Da hab' ich mir gesponnen Ein weißes Sterbehemd. Doch nun ich dich erschaue, Du meiner Väter Stadt, Streut Blumen mir der Himmel, Die schönsten, die er hat. Es wälzt sich von der Stirne Mir schwarzumwölkter Wahn, Dem goldgelockten Lieble Bin ich ganz aufgelan. Ich lieg' im lachenden Grase, Singvögel ziehn vorbei, Der Frühling mit winkendem Stabe Spricht mich vom Winter frei. Ich lieg' mit gebreiteten Armen Wie eine Bibel still, Die einer aufgeschlagen. Weil er draus beten will. Es singen mir uralte Sngen Die Gräser. Ich lausche betört. Die Erde blüht so leise, Daß man sie atmen hör!. — Doch wehe, der Himmel grollt. Zornfalten fallen auf sein Angesicht, Feuer aus seinen Augen bricht, Weit ich den Boden hab' küssen gewollt, Weil einen Augenblick Ich des Fluches vergaß, Einmal von Sonne und Glück Träumte im lachenden Gras. Immer trag' ich umher Alle Vergangenheit Seit Erzväterzeit. Ach, daran schlepp' ich so schwer, Daran schlepp' ich tief innerlich. Immer hängt Nacht um mich. Gewitterwolken reden in Donnern mit mir. WTie ein verwundetes Tier Brüllt die Natur, wenn sie mein Peslhauch trifft. Davon ist nächtig mein Gemüt. Kein Frohsinn aus meinen Äckern blüht. Es krümmen sich unter den Sohlen die Erdschollenkrumen. Werf ich mich hin, ersticken in Gift Vor meinem Atem die Blumen. Wer mir begegnet, bekreuzigt sich. Selbst noch der Tod versagt mir den Tanz. Weltfluch flocht mir den Dornenkranz. Nacht hängt um mich. O, alle Leiden, die unerhört verhallt, peitschen mein Blut mit mitleidlosen Streichen. Die Klagelieder um verlorenes Heimatland schwingen hallend auf und nieder vor meinen Ohren. Stufe um Stufe steigen mir Bilder herauf aus längst verschütte lern Verlies. Die Weherufe der Vertriebenen trommeln in meinen Adern. Die Hilferufe Gemarterter gellen flehend durch meine Nächte. Mütter, die Kinder auf ihrem Rücken tragen, schweifen unruhvoll durch das Ghetto meiner Erinnerung. Flammende Säulen lodern auf in meinen Gedankengängen von brennenden Gebeten. Die Zedern des Libanon rauschen geheimnisschwer durch die Stille meiner heiligsten Stund en. Priester mit langen Barten tragen weihevoll

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