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Menorah · 1926-12-01 · Heft 12 (Dezember 1926) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 12 (Dezember 1926)
Article
Ein Freitagabend mit Josef Schwarz
Date
1926-12-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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EIN FREITAGABEND MIT JOSEF SCHWARZ Von Heinrich York-Steiner Die Sabbatlichter erhellen die Gemüter, kleiden Tisch und Raum in festliches Gewand und führen die Erinnerung zurück in sagenhaft anmutendes Kinderland. Wir sind zu Besuch mit anderen Gästen, unter ihnen ein junger Künstler, der von der Volksoper in das große Haus auf dem Opernring berufen wurde, was den meisten Sängern erreichtes Ziel erfüllter Hoffnung, gesättigten Ehrgeiz bedeutet. Josef Schwarz, so hieß der Künstler, war in dieser Sabbatslube nur einfacher Gast. Seine schlanke Gestalt über den Tisch gebeugt, das schmale Gesicht, aus dem feurige Augen glänzten, ganz dem Genüsse der duftenden Speisen hingegeben. Ernste und heilere Gespräche begleiteten die Speisenfolge, ohne daß der Künstler in der Wechselrede besonderen Raum eingenommen hätte. Dann trat Stille ein. Die Gesichter glätteten sich, innere Weihe leuchtete auf und gedämpften Tones ertönte das Lob des Herrn. Josef Schwarz ward das „Benschen" verehrt. Das Speisezimmer wandelte sich zu einem Weihetempel, die gewohnte Zeremonie des Tischgebetes wurde künstlerische Offenbarung. Und kein voller, kein lauter Ton. Eine sordinierte Violageige, kein Mechanismus, nur Seele, innige Aussprache mit Gott dem Herrn, der reichlich Speis und Trank beschert hatte. Man empfand in Wort und Ton, daß der Betende den Wert der Gabe voll erkannte, so wertete wie alles, was wir schwer erringen. Das war wohl Erinnerung an die Heimatstadt Riga, wo Tempelgesang die karge Nahrung besserte, welche die Arbeit in der Schneiderwerkstätte des Vaters nicht in genügendem Maße bot. Das Gebet schreitet vor: Ein Sänger im Hause Gottes huldigt dem Herrn auf Zion, der uns ein schönes freies Land verheißen hat, die Stadt Jeruscholajim mit dem Throne David, nahe dem geweihten Tempel. STANDMENORAH (Gelbguß) Feierlich erheben sich die Töne und klingen im Räume. Der Sänger fühlt die Größe seines Begehrens, das Wort wird Wesenheil, er meint, was er singt. Wir schließen die Augen, stehen auf dem geheiligten Berge und lauschen dem Gesänge der Leviten, die dem Priester respondieren. Wieder wandelt sich der Ton, das Wehe heimatloser Jahrhunderte, die Sorge vieler hungerdrohender Tage dazwischen. „Erbarme

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