Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1926)
- Article
- Vier ostjüdische Chanukahmenoroth
- Date
- 1926-12-01
- Page
- Seite 710 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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710 MENORAH HOLZGESCHNITZTE CHANUKAHMENORAH die Hingabe des Meisters an die Arbeit mehr als sonst verständlich. Der Silberschmied oder Holzschnitzer, der für eine Synagoge, meist die Synagoge seiner Heimatstadt, oder für irgend einen „Zaddik" oder einen „Nagid" eine Menorah herstellt, arbeitet nicht um Erwerbes willen. Er will vielmehr sein ganzes Können, was er erlernt und abgesehen hat oder aus sich selbst heraus schöpft, in dem von ihm verfertigten Stück zum Ausdruck bringen. Es ist eine Art Inbrunst, die ihn erfüllt, die gleiche „K'wanah" treibt ihn an, die ihn bei anderen sakralen Handlungen zwingt. Ein gleiches zweites Stück kann nie aus seiner Hand kommen, er wollte sich bei den Mensehen seines Heimatortes oder bei dem „Zaddik" „berühmen". Es is{ gewissermaßen seine Meisterleistung, mit der er sich entweder „Olam haba", die ewige Seligkeit, oder den Ruhm der Nachwelt sichern wollte. Im Osten, in Polen und Rußlnnd, ist das an einzelnen Stücken geradezu ausgedrückt, und die wundervoll bizarre Stanclmenorah aus Pogrebyszcze (a. a. O. S. G) mit Tieren aller Art und Finessen jeder Nuance ist ein Beweis geradezu für diese Behauptung. Von den hier abgebildeten Stücken ist besonders die filigrane Silberarbeil-) in diesem Sinne zu verstehen. Der Silberschmied „berühmt" sich laisächlich seiner Arbeit. Er graviert auf der Rückseite: „Angefertigt durch den Arbeiter a m heiligen Werke (Oßek bi-mlechet hakodesch) Abba, Sohn des Nathanicl Zoref (Silberschmied) aus Jekaterinoslaw." Als Jahr wird 5629/1868—69 genannt, wieder ein Beweis bei dieser so verhältnismäßig jungen Arbeit, wie bei der jüdischen Sakralkunsl alle Stil formen fortbestehen, nachdem diese in der weltlichen Kunst längst verlassen wurden. Der Jekaterinoslawer Silberschmied hätte bei dem Gelbgießer in Pogrebyszcze gelernt haben mögen. Er ist geschickt und rührend unbeholfen zugleich.