Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1926)
- Article
- Telschi
- Date
- 1926-12-01
- Page
- Seite 694 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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694 MENORAH Von dem „zu Hause" der Jeschiwah-Bachurim, in der zweifachen Bedeutung des Wortes ist noch zu berichten. — Sie stammen zum größten Teil aus Litauen und den Wilnaer Gebieten. Die übrigen sind aus Telschi selbst, die Eltern sind Kaufleute, Handwerker, seltener auch Rabbiner. — Einquartiert sind sie in den einzelnen Häusern des Städtchens. — Zu Vieren und Fünfen. — Wie groß ihr Einfluß auf das Leben der Stube ist, wird verständlich, wenn man weiß, daß sie die eigentlichen Hausherren sind. Das gute Zimmer wird ihnen abgetreten, die Wirtin und ihre Töchter erledigen ihnen ihre großen und kleinen Besorgungen; alles wird geregelt durch den Wunsch der Bachurim. — Wird am Tisch von irgend jemanden, der nicht „Jeschiwahmann" ist, gesagt, er sei „intelligent" und das Wort hat dort immer den Beigeschmack revolutionären Geistesflugs, dann schlägt einer der Bachurim auf den Tisch und sagt mit starker Betonung: „Die Intelligenz sind wir!"--Das bezeichnet überhaupt die ganze Art, in der die Bachurim sich zu betrachten gewohnt sind. Nicht etwa als zukünftiger Rabbiner, sondern einfach als jüdische, das heißt in den echt und ursprünglich jüdischen Disziplinen bewanderte Intelligenz wollen sie gelten. Jüdische Akademiker an jüdischer Akademie. „Wir sind die Studenten an der Universität von Raw Ina und Raw Asi" — den Redaktoren des Talmuds — wird man oft in der Jeschiwah hören. In der Tat besteht überhaupt nur bei einem verhältnismäßig kleinen Teil von ihnen der Wille Raw zu werden, der dem Studium eine besondere Triebkraft verleihen könnte. — Lernen ist Selbstzweck. — Es fehlt darum auch das an Rabbinerseminarien so zielgerichtete Hinarbeiten auf die Praxis des Berufs. — Wenn man am Freitag früh einen Jeschiwah-Bachur fragt, ob er nicht einen Moment Zeit habe, so wird er wohl antworten: Ich hab' noch maßlos viel Arbeit. Erstens muß ich noch „Schaß endigen", dann muß ich noch ins Bad, dann anziehen, dann--- „Erstens muß ich noch Schaß endigen", das ist das Wollen, das Müssen, das sie Nächte wach hält, an Mahlzeiten vergessen läßt..... So ist auch die Lehrzeit keine festbegrenzte. «— Zehn, ja fünfzehn Jahre, „so lang dein Herz die Thora will." „Und tatsächlich, warum soll ich jetzt zum Beispiel heiraten, wenn ich doch noch lernen will4'--so wrendet er sich wieder seinem Ständer zu, nach einem kurzen Gespräch mit dem Schadehen, der seine Verfolgung bis in die Jeschiwah hinein fortsetzt. Und wieder tönt seine Stimme in der unbeschreiblichen Melodie — — — „To Uschma" — „Komme und höre".......