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Menorah · 1926-11-01 · Heft 11 (November 1926) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 11 (November 1926)
Article
[Ohne Titel]
Date
1926-11-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Für unsere Kleinen Die Geschichte vom lahmenKobele und dem Prophet Elia Von Schoschannah Das Kobele war ein kleiner Juden junge und hieß eigentlich Jakob. Er war auf der rechten Seite gelähmt, hinkte sehr und konnte nur sehr mühsam und langsam auf Krücken gehen. Schon nach einem Viertelstündchen wurde er müde und mußte sich ausruhen. Noch nie war er weiter gegangen als bis zum Spielplatz im nahen Wäldchen; er kannte weder das nächste Dorf, noch die Berghöhe, von der man weit ins Land sehen konnte, noch die Burgruine drüben jenseits des Flusses, wo die Jungens immer so wunderbare Spiele machten .. . Kobele blieb immer zu Hause und nur seine Gedanken machtenlange Wanderungen. An einem Schabbesnachmiltag im Sommer waren alle seine Kameraden und seine Geschwister in den Wald gegangen; seine Ellern saßen in der Gartenlaube und er selbsl lag im hintersten Winkel des Gartens unter einem Birnbaum, der überreich mit grünen, aber schon ziemlich großen Früchten behangen war. Kobele war traurig. Er dachte an seine Kameraden, die jetzt im kühlen, gründunklen Walde lustig miteinander spielten und an seinen eigenen, stillen und einsamen Schabbesnachmittag. Oh, so still war dieser Schabbesnachmiltag! Kein Laut drang in seine Ecke; er hörte vielleicht ein Bienchen summen, einen Vogel flattern oder eine Grille zirpen. „Gott ruhte am siebenten Tag" fiel ihm ein; ja, es war so still um ihn, wie am allerersten, am allerstillsten Sabbattag.. . Auf einmal war ihm, als ob ein Rauschen durch die Blätter des Birnbaumes ging. Es fiel ein großer Schalten durch das sonnengoldne Gras . . . und plötzlich stand eine hohe Greisengestalt vor ihm. Sie war in ein weißes Gewand gehüllt, weiß war auch der lange, wallende Bart und weiß das Haupthaar. Die großen, dunklen Augen leuchteten wie Feuer, aber sein Antlitz war milde und sehr liebevoll. Kobele wußte sogleich, daß das der „Elionove", der Prophet Elia, sein müsse; er erschrak gar nicht, sondern lächelte ihm zu. Was aber tat nun Elia? Er hob Kobele mit beiden Armen von der Erde auf, um ihn auf seine Schulter zu heben; wie er ihn aber so ganz langsam, langsam emportrug, war es dem Knaben, als wachse die Gestalt des Propheten immer höher und höher; und wie er nun auf seiner Schulter saß, war ihm, als sei er auf einem sehr hohen Berg und tief unter ihm lagen Städte und Länder, Burgen und Dörfer. Und Kobele sah die ganze Erde unter sich: nicht nur die nächste Stadt mit den vielen Toren und Türmen, von denen man ihm erzählt hatte. Er sah die große Stadt Wien und sah Paris und Berlin; er sah das Weltmeer und Amerika mit den himmelhohen Häusern, wo sein Onkel wohnte; er sah China und Indien und Afrika und das Rote Meer, durch das die Kinder Israels trockenen Fußes durchgezogen waren. Und Kobele sah das heilige Land Erez Israel, den Libanon und den Karmel und sah Jcruschalajim. leuchtend in der Sonne liegen. Und über dem Tempelberge, hoch, unabsehbar hoch in den Lüften — o Wunder über Wunder — sah er den goldfunkelnden heiligen Tempel, den Engelshände den Zerstörern entrissen hatten und den sie — Kobele kannte diese Weissagung genau — wieder an seine alte Stelle setzen werden zur Stunde, da Meschiach gekommen sein wird. Aber der himmlische Glanz des in den Lüften schwebenden Tempels war für Kobeles Augen zu stark gewesen. Es wurde Dunkel um ihn. Sanft fühlte er sich von der Schulter des Elionove herabgleiten, immer tiefer und liefer. .. und auf einmal lag er wieder unter dem Birnbaum im Garten. Aber die Sonne war schon weg und bald kam auch die Mutter, die ihn an allen Ecken und Enden gesucht hatte, denn es war schon bald Zeit zur Hawdolah . .. Nie, nie in seinem ganzen Leben aber wird das lahme Kobele vergessen, was ihn der Prophet Elia von der wunderbaren Erde hat sehen lassen!

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