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Menorah · 1926-11-01 · Heft 11 (November 1926) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 11 (November 1926)
Article
Unsere Mutter
Date
1926-11-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Unsere Mutter Von A. K. (14. Fortsetzung.) Mein liebes Roserle! Ich gratuliere Dir zu Deinem Geburtstag: mögest Du noch viele gute Jahre erleben als Ersatz für all die schlechten und noch so glücklich werden, wie Du es verdienst. Aber da ich egoistisch bin und nie auf mich vergesse, so wünsche ich mir, es zu erleben, Dich so glücklich zu sehen. Dein Geburtstagsgeschenk kommt aus der Residenz! Es ist heute sehr viel zu tun, deshalb bitte ich Dich, liebes Roserle, Dir nichts draus zu machen, daß ich nicht selbst gekommen bin. Denke Dir, wie viele es gibt, die gar keine Aussicht haben, ihre Mutter je wiederzusehen. Du mußt nur vierzehn Tage warten, dann sind wir, so Gott will, länger beisammen. Ich könnte ja fahren, aber ich getraue mich nicht, da ich noch verschnupft bin. Mit einem schönen Roman im Bett zu liegen, wird mir sehr gut tun. Roserle, ich habe doch eine sehr glückliche Natur; ich bin im Augenblick unglücklich, und im nächsten tröste ich mich schon selber. Ich wünsche Dir und Maxel gute Feiertage. Bleibt mir gesund und froh, wie es Euch wünscht Deine treue Mutter Klara. Liebes Roserle! Es scheint schon meine Bestimmung zu sein, daß ich mir selbst zum Trotze Euch soviel zu schaffen gebe. Ich war so schwach, daß ich 23 Stunden im Tag gelegen habe und die 24. nicht gehen konnte. Aber ich bin aus Eisen, es geht mir wieder gut: heute habe ich nur eine Stunde nach Tisch gelegen und bereits sechs Stunden geschrieben. Du glaubst gar nicht, wie Du mir fehlst: ich fahre nie wieder ohne Dich! So wie ich spüre, ohne daß man es mir sagen muß, wann der 1. Siddy kalt ist und ihr die Decke bringe, so fühle ich auch, daß sie die Schuhe braucht und habe sie bereits geschickt. Herzliche Grüße von Deiner treuen Mutter Klara. Liebes Roserle! Bin gut gefahren und gut angekommen. Da ich weiß, daß ich morgen nicht mehr böse sein werde, so schreibe ich Dir's heute: Du bist eine Verschwenderin! Jenny und ich haben unterwegs je eine halbe Semmel und ein kleines Stückchen Fleisch gegessen — mitschleppen mußten wir aber eine große, schwere Tasche mit Proviant. Jetzt, beim Auspacken, habe ich mich so geärgert, daß ich schon deshalb allein nach dem Süden muß. Grüße alle Damen. So lieb und gut waren alle zu mir, daß ich mich ordentlich schäme, weil ich nicht weiß, womit ich mir das verdiene. Sei herzlich gegrüßt und geküßt von Deiner treuen Mutter Kfera. Liebes Roserle! Wir sind also wieder in unserm lieben Wald. Die 1. Jenny ist gestern angekommen. Die Binde, die sie tragen soll, liegt auf dem Tisch, die saure Milch ist noch in der Kuh, die Salbe hat sie in Wien vergessen, das Sitzschaff steht in der Stadt — hoffen wir, daß es ihr auch so gut anschlagen wird. Ich habe mich sehr geärgert, daß die 1. Anna schrieb, sie würde Kompote mitbringen und habe ihr sofort geantwortet, sie soll sich ja nicht unterstehen. Danke übrigens dem Himmel, daß Du nicht mit diesem Schreiben zugleich Deine Entlassung als mein Reisemarschall bekommen hast; nur weil Du mir letzthin in so energischem und überzeugendem Tone erklärt hast: Wer einem viele Jahre treu ge-

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