Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 11 (November 1926)
- Article
- Die Chaluzah
- Date
- 1926-11-01
- Page
- Seite 652 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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652 MENORAH h. NACHLATH JEHUDA / MÄDCHENKOLONIE Formen der neuen Gemeinschaft mitgestallel. Diese russische Geisteskultur wurde okuliert auf dem Produkt eines westjüdischen politischen Zionismus und dem religiös-metaphysischen Zionsstreben des Osljuden. Dieses Bild einer geistigen Entwicklung ist freilich grob schematisiert. Die Linie, die von der Tochter des Chassid zur Chaluzah führt, verläuft nicht gerade, sondern wird vielfach gebrochen. Die radikale Assimilantin, die rationalistische Sozialisfin sind ihre Zwischenstadien. * Die Chaluzah ist nicht Abschluß einer Entwicklung, sie steht vielmehr am Anfang einer solchen, deren Endziel die jüdische Bäuerin sein soll. Und das ist gut so. Denn viele Züge müssen als Kinderkrankheiten gewertet werden, die allerdings aus der geistigen Genesis erklärlich sind. Man erinnere sich der unzähligen Witze der letzten Jahrzehnte, in denen die emanzipierte Frau außerhalb der Wirtschaft tätig ist, während der Mann daheim kocht oder Strümpfe stopft. Nun, jene Karikaturen, getreue Abbilder einer Epoche, unterstreichen Züge, die wir bei der Chaluzah finden. Denn diese findet nicht die Arbeit in der Küche und Hauswirtschaft als ihren Beruf, sondern will an der schweren Arbeit des Mannes teilhaben. Feldarbeit, Straßenbau, Sleineklopfen, in einer Reihe mit dem Mann. Das heißt wahre Gleichberechtigung. Freilich, gekocht muß werden, die Wäsche muß gewaschen werden. Aber diese Arbeit wird ohne Freude, fast unwillig verrichtet. Aus Pflichtgefühl, weil man von der Leitung dazu abkommandiert wurde. Daß darunter die Küche leidel, ist gewiß. Dieses und eine Reihe ähnlicher Züge, die uns von liebevollen Beobachtern des Lebens in der Kwuzah — die Kwuzah ist die dem Chaluz adäquate Form der Gemeinschaft — berichtet werden, können eben nur aus der geistigen Entwicklung der Chaluzah heraus verstanden und gewertet werden. Die Erkenntnis dieser Fehler hat in den maßgebenden Kreisen den Plan zur Schaffung von Mädchenfarmen ausreifen lassen, in der die Mädchen in Hauswirtschaft und den ihnen physiologisch entsprechenden Teilen der Landwirtschaft ausgebildet werden sollen. Vorhandene Energie ist hier in richtige Bahnen zu lenken. * Es wurde von einem allmählichen Verschwinden des Chaluztyp gesprochen. Das heißt nicht, daß weniger Menschen zur produktiven Arbeit übergehen. Zahlenmäßig kann man eher das Gegenteil konstatieren. Es hat sich jedoch wie in jeder Bewegung