Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 11 (November 1926)
- Article
- Das Gelübde
- Date
- 1926-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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DAS GELÜBDE Von Elissa Rhays Autorisierte Übersetzung aus dem Französisdien von IL. Goldenberg Elissa Rhays, die Verfasserin der nachstehenden Erzählung:, ist eine gebürtige Algerierin, die in französischer Sprache schreibt. In ihren durchwegs dem orientalischen Leben entnommenen Schilderungen beschäftigt sich Elissa Rhays auch mit dem Leben der dortigen Juden, deren Sitten und Gebräuche sie auf das genaueste kennt und denen ihr fast in alle Weltsprachen übersetzter Roman „Les Juifs'4 zur Ganze gewidmet ist. E. G. I 1 as Warenhaus „Gebrüder Neftali" besteht aus neun kleinen —* Läden, die längs der Rue des Coloughlis in Blidah aneinander gereiht sind. Von neun Türen aus, vor denen Leinenkupons, Schuhe, Bazarartikel in buntem Durcheinander aufgehäuft liegen, hat man den Ausblick auf die sanft ansteigende weiße Stadt, auf ihre Häuschen mit Terrassenclächerir, auf ihre Orangenwäldchen und Rosenguirlanden. Man sieht die braune Linie der Berge von Chrea, die im Winter Schnee krönt, und die im Sommer der Hauch des Sirokko versengt, der achthundert Hektar bläulicher Cedern umheult... Bei ,,Gebrüder Neflali" verkauft man alles: silberdurchwirkte Stoffe für Frauengewänder, Lyoner Seide, die mit dem Bildnis Tutankhamens bedruckt ist, Filigranservice für türkischen Kaffee und Porzellan aus Limoges für den ,,Five o'clock", Ambra aus Kairo,"Henna aus Djerba und sämtliche Parfüms von Goty. Die Fülle und Abwechslung der Waren, die auf das äußerste reduzierten Preise bewirken, daß die Kunden unaufhörlich ein- und ausströmen. Die „Gebrüder Nefiali" beherrschen den Platz. Ihr Aufstieg ist rasch gewesen. In den Jahren des Anfangs begnügten sich Isaak und Mardochai Neftali mit einer Mahlzeit im Tage: drei Sardinen, die sie selber über einem Holzfeuer rösteten und die sie zu einem arabischen Brot verzehrten. „Blumentopf", der wandernde Fischhändler, kam jeden Freitag vor ihre Tür, seinen Ruf: „Alles bewegt sich drin!" brüllend, wobei er den Zweig von Jasmin oder Rosen, der an seiner Mütze befestigt war, hin- und herschwenkle — dies der Ursprung seines Beinamens. „Alles bewegt sich, drin!" Für zwei Sous lieferte „Blumentopf" den Brüdern Neftali ein Pfund Sardinen und eine Handvoll gab er ihnen drein „um Allahs Barmherzigkeit willen". Servietten waren nicht nötig: um ihre fetten Finger zu reinigen, wischten Isaak und Mardochai sie einfach an ihren Hosen aus grober Leinwand ab und damit war die Toilette nach der Mahlzeit beendigt. Geschirr gab es keines. Ihr Wein floß unvermengt