Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 11 (November 1926)
- Article
- Die Hierosolymitanische Stiftung [Illustration]
- Date
- 1926-11-01
- Page
- Seite 614 (sequence 4)
- Language
- German
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614 MENORAH gangen. In der mit der Hinterlassenschaft zusammenhängenden Eingabe seines Sohnes Wolf Wertheimer vom 12, September 1724 an den Obrist-Hofmarschall wird unter Passivschulden erwähnt wegen der jerusalemitanischen Judenschaft von Ihro kais. Maj. zu überwexeln Allergnädigst erlaubt fl. 40.000 seynd zu bezahlen fl. 15.0006). Somit verblieb ein Betrag von fl. 25.000. Im Jahre 1728 blieben von dieser Summe nach allen Ausgaben fl. 22.000. Die Lage der palästinensischen Juden wurde inzwischen immer schlechter, da sie fortwährend von ihren Gläubigern bedrängt wurden, die sogar die Aschkenasimsynagoge und die Nachbarhäuser überfielen und alles, was ihnen unter die Hand gefallen war, verbrannten. Nun versuchte Wolf Wertheimer durch Vermittlung des damaligen österreichischen Internuntius in Konstantinopel Josef von Dirling die Gläubiger zu beruhigen und ihnen Zusicherungen zu geben, daß ihre Forderungen sicherlich befriedigt werden. So schrieb er am 11. Juli 1727 an Dirling, den er von früher her persönlich kannte, ausführlich in dieser Angelegenheit. Dirling informierte sogleich seinen Hof über Wertheimers Ansuchen und bat um die Erlaubnis, sich der „Teutschen Judenschaft zu Jerusalem stehender angelegenheit" anzunehmen. Die gewünschte Erlaubnis wurde ihm erteilt und er sandte nun den kaiserlichen Sprachknaben Moinars nach Jerusalem, um einen Vergleich zwischen den Juden und ihren Gläubigern herbeizuführen. Am 12. Juli 1728 teilte Dirling, der schon im Juni Wertheimer seine Intervention in Aussicht gesteilt hatte7), dem Hofkriegs-Rat mit, er habe vom Sprachknaben Momars einen Bericht erhalten, daß er die „Abführung selber schulden mit dem drittel, das ist die Summa der erlaubten fl. 40.000 mit allen gehörigen Formaliteten bey dem türk. Gericht und vor der Pforten Commissario aJso verglichen, daß es nur an denen abhänge, das Gelt ohne einzigen Verzug zu übermachen, dann sonsten, wann es darmit lang anstehet, die creditores der Türckischen und orientalischen Wanckelmütigkeit nach leichtlich wiederum rectractieren dörften, anmit man die Sachen gar schwer ein andersmahl an ein and hangen kunnte8)". Er ersuche nun den Hofkriegs-Rat, Wolf Wertheimer, dem er auch separat ausführlich schreibe, „an zu befehlen", diese schon seit Jahren schwebende Angelegenheit zu Ende zu bringen und die nötigen Beträge zu schicken, damit die Jerusalemer Juden keinen weiteren Schaden erleiden müßten. Ferner würden auch die österreichischen Minister durch die infolge ihrer Verhandlungen hervorgerufenen Illusionen, in ihrem Kredite stark geschädigt werden, falls man es auch diesmal bei Versprechungen aliein belassen würde.