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Menorah · 1926-10-01 · Inhalt · p. Seite 584

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Inhalt
Article
Aus dem ehemaligen Kurhessen
Date
1926-10-01
Page
Seite 584 (sequence 2)
Language
German
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584 MENORAH Oktober 1923, und endlich hat auch der Verfasser dieses Aufsatzes in einem anspruchslosen Heftchen „Kindertage“ einzelne Typen dargestellt. GEBURT. Bei der Entbindung werden im Geburtszimmer allerhand Schemoth, vor allem aber der Satz Mechaschefa lo techaje (Ex. 22, 17) an den Wänden befestigt. Exemplare dieser Schemothzettel aus dem Hessischen sind bis jetzt nicht in meine Hände gelangt. Von einem seltsamen Brauch, der gelegentlich noch geübt wird, berichtet Frau Perlstein nus ihrem Heimatsort Meimbressen i. H. Nach der Entbindung vor dem Briss muß eine Frau der Wöchnerin dreimal mit einem fleischigen Messer um den Kopf fahren und dabei die Worte sprechen: Begrießen und Begrasen Der liebe Gott soll dich bewasen . . . Amulette, sogenannte Kameaus, wurden den Neugeborenen wohl nur gelegentlich noch umgehängt. Mein seliger Vater und auch der jetzige Lehrer Herr Perlstein besaßen noch Münzen, in die ein hebräisches H eingeschlagen war. Sie sollen beim Briss den Neugeborenen umgehängt werden1). Über die Speisen bei der Briss miloh siehe unten. Der Chaule Kreisch findet bei Jungen und Mädchen statt, und zwar am Sabbat, wenn die Mutter zum ersten Mal nach der Geburt die Synagoge besucht. Die übliche Form ist die folgende: Der Kinderwagen wird von den geladenen Schulkindern dreimal hochgehoben und dabei die Worte gerufen: Chaule Kreisch, wie soll 5s Kind heißen? Folgt jedesmal der deutsche Name. Dann wird dreimal von den Kindern nachgesprochen: (Gen. 48, 16) Ha-malach hagoel bis bekerev hoorez. Darauf folgen Kinderspiele, Bewirtung und jedes Kind erhält eine bunte Düte2). VERLOBUNG. Folgende Schilderung des Knasslegens gibt Herr Perlstein: Es wird eine religiöse Ansprache durch den Lehrer gehalten; darauf wird eine Tasse oder ein Teller in ein Tuch gewickelt, hierein legen die Anwesenden eine Gabe für irgend einen guten Zweck; nachdem das Geld aus dem Gefäß entnommen ist, wird das Gefäß selbst von dem, der die Ansprache hielt, zerbrochen und dabei die Worte gesagt: „So wenig die Tasse wieder zusammengeht, so wenig soll die Verlobung au seinandergehn.“ HOCHZEIT. Folgende Bräuche werden noch gelegentlich, aber durchaus nicht immer, geübt: das Mahn führen, wobei der die Ehe einsegnende Rabbiner oder Lehrer die Braut vor der Chuppe, nach dem Bedecken mit Weizenkörnern bewirft. Die Überreichung des Siflaunaus, das ist eines sogenannten Chosenhemds, und eines Tallis an den Bräutigam und einer Tefilloh an die Braut. TOD. Nach dem Abheben des Mess3) auf Stroh wird ein Stuhl zu Häupten des Toten umgestürzt, ebenfalls zu Häupten des Toten wird ein Öllicht aufgestellt, dazu ein irdener Topf mit Wasser und ein Handtuch darüber. Ferner wird alles Wasser im Sterbehaus ausgegossen sowie in den Häusern, an denen der Oraun4) mit dem Mess vorbeikommt, alle Spiegel wrerden verhängt, und ein Eimer mit frischem Wasser, ein Mäßchen und ein Handtuch vor dem Sterbehaus aufgestellt. Die Kopfseite des Oraun wird mit R-sch gezeichnet, zugleich eine Anspielung auf roasch (arm). Nach der Taharoh5), wenn das Mess im Oraun liegt, erfolgt das Meehiloh praien6). Der oder die Vorsitzenden der Chcwro stellen sich zu Häupten des Toten und sprechen die folgende Formel: Liebe(r) N. N., ich prai Dich um Mechilo; Hann ich Dir was zu Leid getan, So sei mirs mochel. Mir zuvor (statt: Du zuvor??) Gtt darnor. Bei einem Chewra7) -Mitglied wird hinzugefügt: Ich kindig Dir auch die Kippe (Mitgliedschaft) an der Chewro.

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