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Menorah · 1926-10-01 · Inhalt · p. Seite 578

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Inhalt
Article
Schnorrer
Date
1926-10-01
Page
Seite 578 (sequence 5)
Language
German
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578 MENORAH (Gott) is wie a Strumpffabrikant. Die Menschen werden alle einzeln derschafTen in adernuch wie die Strümpf purwas zusammengeklaubt. Do derzi is der Schadchen do; er is asojzisugen dem Ojberschten san Lagerist in Sortierer.“ In unserem Städtchen hatte aber Reb Selegche nichts zu sortieren. Er klagte selbst: „K. is a schlecht Feld far mir: die Maden senen mer nischt gewogen in die junge Lat machen e Gespött aus mir.“ Ein zweites Sprichwort, das ich von ihm hörte, lautet: „A Schadchen muß a Schlamper hoben“, das heißt, wie ich es verstehe: er muß manches mit dem Mantel der Liebe bedecken. Das hatte sich an ihm, wenigstens soweit der Mantel in Betracht kommt, buchstäblich bewährt. Seine kleine Gestalt war stets in einen langen, weiten Mantel gehüllt, der nicht gerade von allzugroßer Sauberkeit seines Trägers zeugte. Er war immer ,,schlumperich“, wie man bei uns zu Lande sagte. Reb Seligche hat nie eine Nedowe erbeten, dafür sich aber „ungebeten“ oft genug zum Mittag- oder Abendessen eingefunden und nie wurde das Gastrecht gegen ihn verletzt. Zum Kaffee trank er nie Milch, sondern aus der weiten Tasche seines Havelocks holte er ein rohes Ei hervor, das er auf schlug und in den Kaffee schüttete. Es genierte ihn auch weiter nicht, wenn einmal ein Ei geknickt war. Er wickelte es in Papier und versenkte es wieder in seine Tasche, um sich zur nächsten Mahlzeit von irgend einer guten Seele Rührei daraus machen zu lassen. Als ich später in einem Nachbarstädtchen in die Lehre getreten war, begegnete mir auch dort Reb Seligche. Im Hause meines Chefs, eines wohlhabenden Kaufmannes, glaubte er „hochdeutsch“ sprechen zu müssen und erinnerte darin lebhaft an „Unkel Bräsich“. Mein Kollege ermahnte ihn immer: „Reb Seleg, wos machen Se so verdreihte Red? Reden Se mit mer datsch!“ Der Frau des Hauses brachte er Grüße von allen möglichen Verwandten, die in den Provinzen Preußen und Posen wohnten: „A schenen Grois von Ihre Schwester ausLessle (Inowraszlaw), aber wissen Se, mit Ihre Nichte Emmy is rein gar nix ufzustellen; vun a Breitigam well se nischt heren, als ob se is erst zwelef, in ich waß doch, wie alt se is. Vielleicht sinten Se asougut in schiken amal a Schreibebrief in die Angelegenheit, was ich sie hab angeregelt vor vier Juhr; wenn se sich nischt bald verlobt, wird se bald gar keine Brot mehr werden.“ Überall, wohin der possierliche Mann kam, wurden mit ihm Possen getrieben. Als aber ein Jahr vergangen war, ohne daß Reb Seligche sich hatte blicken lassen, so mancher gedachte da seiner in Wehmut und sprach das: „Boruch dajan hoemes.“ *) Ist auch sonst bekannt. 2) Ort. 8) Herr. 4) Schlemmer. *) Vorstand. 8) Psalmen. 7) täglich. 8) leer. B) Angst. l0) Angst, u) Gast.

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