Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Inhalt
- Article
- Der böse Blick
- Date
- 1926-10-01
- Page
- Seite 553 (sequence 3)
- Language
- German
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- Rashi 2× ep/1002670
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DER BÖSE BLICK 553 seine Kenntnisse einem anderen nicht mitteilen will; daß man sich mit seinen aufgehäuften Schätzen nicht begnügt und stets neuen nachjagt. Man soll daher seinen Nebenmenschen weder um sein Geld noch um seine Kinder oder sonstiges Gut beneiden. Auch dies wird ein böses Auge genannt, wenn man nicht will, daß auch ein anderer wohltätig sei, oder daß es nur ein anderer sei. Dies zählt zu den Eigenschaften der Anhänger oder Schüler Bileams5). Nach dem biblischen ra ajin bildete man einen anderen Ausdruck für bösen Blick: tsar ajin (enges Auge), inwiefern auch dieser nicht schon in der heiligen Schrift zu finden ist6). Einen Gegensatz zu ra ajin bildet tob ajin. „Der Gutäugige wird gesegnet, denn er gibt von seinem Brote dem Armen" (Prov 22, 9). In diesem Sinne wird auch das „schöne Auge" gebraucht, da „schön" in der heiligen Schrift auch „gut" bedeutet (Koh 3, 11, 5, 17). Ein gutes Auge, sagt der Mischnaherklärer Obadja aus Bertinoro, hat derjenige, der sich damit zufrieden gibt, was er hat, und nicht den, der mehr hat, beneidet. Aber die Mischnah begnügt sich hiermit nicht, sondern verlangt vom gutäugigen Menschen Wohltätigkeit, wie Raschi erklärt: der Habsucht haßt und Wohltaten ausübt, und endgültig verdient nur der ein Mensch mit gutem Auge genannt zu werden, der mit den Worten der Haggadah sagt: Jeder Hungrige komme und esse7). Eine andere Mischnah lehrt: Hebe (teruma) gibt ein gutes Auge eines von vierzig, nach Schammaj eines von dreißig; ein mittelmäßiges Auge gibt eines von fünfzig und ein böses eines von sechzig. Mit dem guten (schönen) Auge wird auch die Gastfreundschaft gemeint. Der Hausherr schneide das Brot mit gutem Auge an. Auch Mose hat ein gutes Auge, weil er Israel die Thora gab und es segnete. Denn eigentlich gab Gott ihm die Thora, welche er dann Israel zum Geschenke machte (Ned. 38a). Wer ein Grundstück verkauft, verkauft es mit gutem Auge, er will nämlich den Käufer nicht verkürzen. Die Frau darf am Festtage Mehl in den Teig geben, damit sie die Teighebe (challah) mit gutem Auge nehme. Auch die Thora lehre man mit gutem Auge8). Agada Auch in der Agada wird das böse Auge im Sinne von Neid, Mißgunst, Geiz gebraucht, vorwiegend aber bedeutet es schon einen Krankheit, Unheil bringenden Blick. Von Mose wird in der heiligen Schrift erzählt, daß ihm das ganze Volk nachblickte, als er in sein Zelt ging (Ex 33, 8). Pseudo-Jonathan übersetzt: Sie schauten mit bösem Auge nach Mose. Was unter diesem bösen Auge zu verstehen sei, darüber äußert sich der Talmud. Nach einer Ansicht blickten sie ihm nach und sagten: er sei von ihrem Gute dick und fett geworden. Dieser böse Blick brachte demnach den Neid des Volkes zum Ausdruck. An anderer Stelle sagt Gott zu den Bewohnern des heiligen Landes: sie werden den Eroberern zu Dornen in den Augen und zu Stacheln in den Seiten werden (Nu 33, 55). Dies gibt Pseudo-Jonathan wieder: Sie werden euch mit bösem Auge ansehen, das heißt sie werden euch beneiden. Mose war bescheiden und hatte kein böses Auge, denn er beneidete nicht Eldad