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Menorah · 1926-09-01 · Heft 9 (September 1926) · p. Seite 545

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 9 (September 1926)
Article
Unsere Mutter
Date
1926-09-01
Page
Seite 545 (sequence 3)
Language
German
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UNSERE MUTTER 545 Liebes Roserle! Ich komme erst jetzt dazu, die paar Worte zu schreiben, und zwar soll es wie gewöhnlich, eine Predigt werden. Roserle, nimm Dich zusammen, und werde gescheiter! Das soll nicht etwa ein Witz von mir sein, ich meine es, auf Ehre, aufrichtig. Denn so gut wie Du, kann nur ein dummer Mensch sein. Spare Deine Kräfte und Dein Geld für Dich und Max, er wird Dich noch brauchen. Wenn ich mir denke, daß Du eine ganze Woche bei mir schlecht verbracht und dazu noch Dein Geld ausgegeben hast, nur damit ich ein paar Tage früher fortfahren kann, so kann ich mich des Gedankens nicht erwehren: wenn Roserle nur ein bissei gescheiter wäre! Und das ist ja nicht unmöglich, da Du ja Verstand hast: Du mußt nur einsehen, wie gut es wäre, wenn Du ihn für Dich ausnütztest. Heute beifolgende Briefe erhalten: ich soll mit Minna nach Goisern! Ich bin so aufgeregt, daß ich alle zusammen zerreißen könnte. Ich habe natürlich sofort abgeschrieben, aber der Brief liegt noch da, und ich getraue mich nicht, ihn abzusenden, denn die 1. Minna wird natürlich überzeugt sein, mit der 1. Annerle wäre ich gegangen — und dann, vielleicht braucht das Kind wirklich ein Schwefelbad wie ich! Am allerliebsten würde ich schon ein Vollbad nehmen und mich darin ersäufen. Ich fahre nicht, ich fahre nicht, ich fahre nicht! Gebt mir Ruh'! Herzlichst Deine treue Mutter Klara. Liebe Rosa! Wir sind samt Paket gut angekommen. Für die Beleidigung, uns für eine Reise von drei Stunden Essen für eine ganze Woche mitzugeben, werde ich mich revanchieren, indem ich den Seidenvolant aus dem Kleid, in dem ich Dir so gut gefalle, heraustrenne und dafür ein ganz ordinäres Futter hineintue. Jawohl, Rache ist süß! Bitte, schreibe täglich eine Karte: ich bin sehr besorgt, ich weiß nicht warum. Wenn ich auch an Euch alle denke und Euch alle vor mir sehe, so bleiben meine Augen doch immer an Dir haften. Mit tausend Grüßen Deine treue Mutier Liebes Roserle! Klara. Warte nur, warte, Du wirst bald zu hören bekommen, daß man Dich wahrscheinlich unter Kuratel stellen wird! (Nicht unter meine, denn dann wäre man vom Regen unter die Traufe gekommen), aber der l. Moritz wird sich als Kurator melden, und dann wird Dir sicher das Handwerk gelegt. Von interurban zu telephonieren — das hat man doch wirklich noch nie gehört! Von mir hast Du volle Absolution, ja, noch mehr, ich wünsche Dir, es soll Dir tausendmal vergolten werden an Deinem Max, was Du an Deinen Geschwistern tust. Du bist die einzige, die darauf sieht, daß man auch einmal ein Vergnügen haben soll. Nun zur Hauptsache. Ich komme jetzt nicht, dafür aber ein andermal. Das Wetter ist elend, und ich bin nicht in der Stimmung, eine Reise ausschließlich zu meinem Vergnügen zu unternehmen. Dränge nicht, Roserle, es hat keinen Zweck. Bitte, laß mir im schwarzen Kleid die Tasche vorn machen; ich nehme es nicht an, wenn die Tasche rückwärts ist, auch muß sie recht tief sein, denn ich muß Platz haben für Börse, Schlüssel, Taschentuch und Briefe. Wenn Du mir einen Hut schickst, dann, bitte, ohne Flügel und Federn, sondern ganz einfach, am liebsten mit einem Bund aus schwarzem Tüll, mit Flitter oder ganz schwarz. Herzliche Grüße von Deiner treuen Mutter Klara. (Fortsetzungfolgt) SCHON JF T 7 T <*en Herbst bestimmte mo- 1— * Z- 1 derne Anzug- und Rockstoffe, sowie die modernslen Mantel- RESERVIEREN WIR velour\™£™^m<n KANN & FRIED WIEN VI., Linke Wienzeile 40, im Hofe Einzige, streng rituelle KOCH- UND HAUSHALTUNGS SCHULE Kursdauer ein Jahr. Beginn 1. Oktober 1926 Extern S. 20.—, Internat S 120.— und dreimal wöchentlich Mittagstisch S 18- Privat- FRAUENGEWERBESCHULE für Weilmähen und Kieldermachen mit Öffentlichkeitsrecht. Kursdauer zwei Jahre. Beginn 16. September 1926. Extern S 20.—, Internat S 100.— Alles per Monat und Einschreibegebühren. — Samstag geschlossen „ELISABETHHEIM", Wien IL, Malzgasse 7 Telephon 43-5-40

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