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Menorah · 1926-09-01 · Heft 9 (September 1926) · p. Seite 538

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 9 (September 1926)
Article
Urkunden und Akten zur Geschichte der Juden in Eisenstadt [...] [Rezension]
Date
1926-09-01
Page
Seite 538 (sequence 2)
Language
German
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538 M E N O R A H daß Wachstein in der Auswahl seiner Sujets nicht prätentiös sein muß. Mit derselben Liebe und Hingebung, mit der er sich dem Gottesacker der jüdischen Gemeinde in Wien gewidmet, wendet er sich nach getaner Arbeit, gleichsam als Appendix, zu den Grabinschriften des bescheideneren Friedhofes in Eisenstadl, der ihm schon während der Wiener Forschungen bedeutsame Fingerzeige und Belege geliefert hat. Und nachdem er auch hier eine Reihe von Familienverbindungen aufgedeckt, aus den Nachrufen und sonstigem Material Personen, Persönlichkeilen hat erstehen lassen (man denke an die wertvolle Biographie des ersten Eisenstädter Rabbiners, R. Meir ben Isak, genannt Meherain Asch, Seite 47 bis 93), möchte Wachstein in seinem jüngsten Werke demselben Milieu von anderer Seite beikommen. Ihn reizt nunmehr das Leben dieser Totengemeinde, wie ihr grauer Alllag, ihr tägliches Sorgen und Besorgen, ihr öffentliches Schaffen und Walten beschaffen war, respektive wie hinter denselben das Denken, Wollen und Hoffen des Gheltojuden sich äußert. Nicht „ein bißchen wissenschaf tliche Beute davonzutragen, ist seine Absicht" — wiewohl es auch daran nicht mangeln wird — es soll aber hier der erste Versuch unternommen werden, „ein Stück Leben aus einem (jüdischen) Winkel in seiner Unmittelbarkeit uns vorzuführen" —- wie Wachstein selbst sich ausdrückt. Als Substrat zu diesem Versuche dienen ihm die vom Ende des 17. bis in die Milte des 19. Jahrhunderts fließenden Dokumente und Akten öffentlichen und privaten Charakters, vor allein das sogenannte „schwarze Buch" der Gemeinde. Ein Sammelband, in dem sämtliche Protokolle und Beschlüsse des Vorstandes, auch Aufzeichnungen der Verwaltung eingetragen, respektive solche eines älteren „Pinkes" wortgetreu beglaubigt übertragen wurden. Das Material also dürres, lebloses Aktenmaterial, und doch welch lebensvolle Lektüre dem, der zu lesen versteht! Schon die Sprache der Schriftstücke, dieser deutsch-jüdische Mischjargon, in dem amtlicher Kurialslil mit talmudischen Floskeln sich mengen — wie spricht sie die Sprache des Ghettos! Im Verkehr Umgangsformen der Umgebung, aber wo von religiösen Dingen, von Gesetz und Recht die Rede ist, da muß das Idiom, die Terminologie der hebräischen Sprache herhalten, der ja selbst in ihren profansten Wendungen, in ihren Schriftzeichen sogar etwas Heiliges anhaftet — — Wahrlich ein Hauch der Heiligkeil, des sittlichen Ernstes, der rigorosen Pflichterfüllung durchweht diese vergilbten Papiere, auch wo sie scheinbar ganz abseits von Moral und Religion liegen. Ist doch das Bestreben, in der unter fürstlich Eszlerhäzyschem Schulz erblühenden Gemeinde Heimatsrecht zu erlangen, sicherlich nur Frage der Zahlungsfähigkeit an Grundherrschaft und Gemeinde, aber gotlesgefälliger Lebenswandel, „wie es einem ehrlichen Juden gebührt", ist Vorbedingung. Einem einzigen Manne wird dieses Privilegium honoris causa verliehen, das ist der große Chassam Sofer aus Preßburg, nicht so sehr wegen seiner ehelichen Verbindung mit der Tochter des in Eisenstadt geborenen Gaons R. Akiba Eger, als seiner bekannten Gelehrsamkeit halber. Welche huldigungsvollc Verehrung den Vertretern der Thora entgegengebracht wurde, ist aus der Reihe der „Rabbonusbriefe" zu ersehen, deren Form und Inhalt gleichmäßig Beachtung verdient. Der Mann aus der Gasse ehrte ja nur sich selbst, „slülzte nur seine eigene Welt", wenn er die drei Säulen der sittlichen Wcllordnung unterstützte. In welchem Maße seine Tragkraft zum Beispiel zur Unterhaltung der Jeschiwa herangezogen wurde, erhellt aus dem einen Aufnahmsprotokoll, in dem ein nicht mal überaus reicher Bewerber um das Wohn recht 260 jährliche Balletten (Anweisungen auf Freitische für Studierende und Durchreisende) übernehmen mußte. ,,Der Mann mußte also 71% des ganzen Jahres einem Fremden Mittagstisch gewähren." — Einen fürwahr rührenden Eindruck macht et:, mit welch pedantischer Gewissenhaftigkeit die diversen öffentlichen Gelder verwahrt, verwaltet, verwendet wurden, sogar die ganz trocken registrierten

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