Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 9 (September 1926)
- Article
- Zangwill
- Date
- 1926-09-01
- Page
- Seite 537 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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BIBLIOGRAPHIE 537 sehen. Es war der erste Zionismus Herzls, dessen Judenstaatgedanke durchaus vom Geiste dieser sozialen Mechanik beherrscht war. Herzl hat ihn — vielleicht — zu ändern versucht (sicher ist, daß es erst nach Herzl die geistige Lehenskraft des Volkes lal), Zangwill aber blieb diesem Prinzip treu, weil seine ganze Lebensanschauung darauf eingestellt war; der Träumer des Ghetto" vermochte es nur rechnerisch überwinden zu hellen, sah die Überwindung des Ghetto nie anders denn als Produkt einer mechanischen Entwicklung. Um das richlig einzuschätzen und vor allem gerecht gegen den M e nschc ii Zangwill, der einer der besten war und bleibendes Gedenken verdient, muß man sich vor Augen hallen, daß Zangwill in die Zeil des Rausches der Evolution hineingeboren war. Er war ein Kind seiner Zeit und wandle sie auf sein Volk an; ihm schenkte er seine glückhaften Phantasien von der M acht de r E u l w i c k 1 u n g. Er spürte nicht, daß das Ziel eines wirklichen Zionismus nur durch eine ..Große Revolution" des jüdischen Geistes erreicht werden kann. Zangwills Terntoriaizionismus war ein tragischer Irrtum; er mußte nicht nur an der Enz ulän gl ich keil des sozial-mechanistischen Enlwieklungsbegriffes in der Anwendung auf die Schaffung eines Volkes aus Volkstrümmern scheitern, sondern schon an dem Denkfehler, daß es dem Gedanken einer mechanistischen Evolution widerspricht und daher unmöglich wäre, eine soziologische Gruppe sozusagen rückziienlwickeln, wenn nicht ganz andere Triebkräfte wirksam wären, die gerade auf diese vom Standpunkte der Evolution undenkbare „Rückcntwicklung" mit elementarer Macht drängen. Diese elementaren Kräfte des Judentums sah Zangwill nicht, der in eine (heute in einer Katastrophe untergegangene) Welt des mechanistischen Wahnes hineingeboren war, durch sie zu Menschenwürde gekommen war und in ihr, ausschließlich in ihr denken gelernt hatte. Er fühlte, daß seine .,Träumer des Ghetto" etwas träumten, was weit über das Ghetto hinausging; aber er nahm es für schönen Traum, wußte nicht, daß die Träume der Menschheit und ihrer Individuen die stärkste Triebkraft für ihre Entwicklung sind, aber nicht die mechanisch errechenbare Wirklichkeit, in der das Schema so rasch zum Schemen wird. Zangwill, der die liebevollen Silhouetten der „Träumer des Ghetto" geschaffen hat, war ein Träumer gegen das Ghetto, einer der liebwertesten seiner *\rt. BIBLIOGRAPHIE URKUNDEN UND AKTEN ZUR GESCHICHTE DER JUDEN IN EISENSTADT UND DEN SIEBENGEMEINDEN. Bearbeitet von Dr. B. W a c h s t e i n, W. Braumüller, Wien-Leipzig 192<>. XLIX + 770. Bernhard AVachs lein, der Bibliothekar der Wiener Kullusgemeinde, der Katalogisator ihrer Salo Cohnschen Schenkungen, der Verfasser einer Reihe von genealogischen, bibliographischen, geschieh Isphilosophischeu Studien, vor allem aber der verdienstvolle Bearbeiter des allen Friedhofes in der Seegasse, braucht den. Lesern dieser Zeitschrift nicht Aorgestellt. zu werden. Noch weniger den Kennern und Forschern von Fach. Verblüfft er auf der einen Seile durch sein sLupendes Wissen, das in den entlegensten Stellen des Talmuds und Midraschs ebenso Bescheid weiß, wie in den Druckwerken und Druckorten von Ost und West oder in den Stammtafeln weitverzweigter Familien, so zeigt die peinliche Akribie seiner Publikationen, die prägnant knappe Fassung seiner Darstellung auf den streng geschulten Wissenschaftler. Was aber die eigene Note der Wachsleinschen Bücher ausmacht, ist seine Betrachtungs- und Auffassungsweise der historischen Vorgänge. Ihm dienen alle Daten und Details der Geschichtsforschung nur dazu, den Menschen sehen zu lassen, wie er im ewigen Wechsel der Geschehnisse überall gleich Mensch bleibt mit seinen natürlichen Instinkten und Hemmungen der Einzel- und Massenpsyche. Diese „Selbstbeschränkung" des Meisters, die nicht auf Denkwürdigkeiten und „interessante" Stoffe ausgeht, bringt es mit sich,