Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 9 (September 1926)
- Article
- Sabbat
- Date
- 1926-09-01
- Page
- Seite 487 (sequence 1)
- Language
- German
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MENORAH IV. JAHRGANG SEPTEMBER 1926 NUMMER 9 SABBAT Von Dr. David Feuchtwang I. Sabbat heißt: Unterlassung, Arbeitseinstellung, Ruhe und ist sprachlich abzuleiten von der Wurzel schabot, welche „ruhen, unterlassen" bedeutet. Er wird griechisch „to sabbaton, ta sabbata" und auch .,hebdomos" als der siebente Tag der Woche genannt. Die Heilige Schrift bezeugt, daß die Sabbatfeier auf göttlicher Stiftung beruht, welche Gottes sechs Tage dauernde Schöpferarbeit und seine Ruhe am siebenten Tage dem Verhalten des Gottesvolkes zum Vorbild gemacht hat. Es ist für jeden Denkenden sofort klar, daß dieses erst nach Promulgierung des Sabbatgesetzes und der bereits zur Norm gewordenen Institution, ja wohl erst nach Annahme und Durchführung derselben rückbildend gesagt werden konnte, um dieser hochheiligen Einrichtung möglichst hohes Alter und höchste Würde zu verleihen. Es ist auch gar kein Zweifel, daß diese Institution solche Auszeichnung und Ehrung verdient hat. Das wird sich historisch erweisen lassen und hat sich im Laufe tausendjähriger Geschichte des jüdischen Volkes bis zur Evidenz erwiesen. Dieselbe Bibel, welche den Sabbat auf die Gottesruhe am siebenten Tage zurückführt, sagt aber auch, daß Moses ihn eingeführt habe. Nirgends findet sich deutlicher Hinweis auf gesetzliche vormosaische Feier des Tages; und, wo sie zum erstenmal von einer solchen berichtet (2. Mos. 16, 5, 22—30), deutet sie an, daß das Volk Israel durch seine Erfahrung bezüglich der Mannaspende sich in die von Gott gegebene Ordnung erst schwer einzuleben hatte. Selbst das ,,Gedenke des Sabbats" im Dekalog berechtigt nicht zur Folgerung, daß der Sabbat schon eine alte Einrichtung war, obzwar aus anderen Gründen diese Annahme wohl berechtigt erscheint; nämlich, weil die Sabbatinstituüon, wie fast jedes richtige Thoragesetz, entwicklungsgeschichtlich und nicht plötzlich entstanden ist und auf Urgebräuche und Ursitten primitiver, ja heidnischer Zeit zurückgeht und erst durch späte monotheistische Läuterungsprozesse zu dem geworden ist, als was es in letzter Form und Gestalt im biblischen Schrifttum und in dessen verschiedenzeitlichen Schichtungen erscheint.