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Menorah · 1926-08-01 · Heft 8 (August 1926) · p. [Seite]

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Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 8 (August 1926)
Article
Simon Dubnow: Weltgeschichte [...] [Rezension]
Date
1926-08-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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SIMON DUBNOW: Weltgeschichte des jüdischen Volkes. Band 1—3. Jüdischer Verlag, Berlin. Es soll von vornherein gesagt werden: Nicht eine allseitige wissenschaftliche Auseinandersetzung beabsichtigt die vorliegende Rezension. Nicht soll die Glaubwürdigkeil, der Quellen überprüft, nicht die Richtigkeit ilirer Heranziehung begutachtet werden. Diese Aufgabe möge Berufeneren, den Forschern auf dem Gebiete der Historiographie, vorbehalten bleiben, die schon teilweise an sie herangetreten sind. Interessenten können in den einschlägigen Zeitschriften bereits manches darüber finden. Uns interessieren drei Dinge: Der Standpunkt des Historikers, von dem aus er die jüdische Geschichte betrachtet, die Darstellung und schließlich der praktische Wert seines Werkes, zunächst für unsere Zeit. Seitdem um die Mitte des vorigen Jahrhunderts der Positivist Auguste Comte im VI. Band seines „Cours de philosophie positive" die Soziologie zu einer Wissenschaft erhoben hafte, eignet sich die Geschichtsschreibung die soziologische Auffassung, forlgebildet besonders durch Spencer und Barth, immer mehr an. Diese besieht in der Hauptsache darin, daß die menschliche Gemeinschaft selbst die Trägerin und Schöpferin ihrer Geschichte in allen Belangen ist und daß aus ihrem Leben und Streben die auf sie bezüglichen historischen Geschehnisse resultieren. In seiner „Weltgeschichte des jüdischen Volkes" hat sich Dubnow für die s o z i o l ofische Auffassung entschieden, die sich ihm in seinem jahrzehntelangen Ringen mit dem Stoffe der jüdischen Geschichte unabweislich aufgedrängt hat. Von diesem gewonnenen Standpunkte aus betrachtet er nun ülle geschichtlichen Talsachen, die das Leben der jüdischen Nation betreffen. Die Juden erscheinen mithin auch nach dem Verluste ihres Staates nicht allein als religiöse Besonderheit, sondern vielmehr als Nation von stark ausgeprägtem Charakter, die überall, also auch in allen fremden Ländern, unter den anderen Völkern und unter den verschiedensten Existenzbedingungen die starke Tendenz zeigt, eine besondere Gemeinschaft zu bilden und eine „soziale Einheit" auf zuhauen, um innerhalb derselben als „lebendiger nationaler Organismus" ihr gesellschaftliches Leben und ihr kulturelles Schaffen selbständig zu gestalten. Man ersieht gleich daraus, daß die soziologische Auffassung der nationalen gleichkommt. Dubnow sagt dies auch selbst in seiner „Schlußbemerkung" zur Einleitung (Band 1, XXX), warnt jedoch davor, national mit nationalistisch, worunter er chauvinistisch versieht, zu verwechseln. Vor dieser neuen Geschichtsauffassung, der übrigens Graetz schon nahestand, ohne sie jedoch konsequent durchzuführen, mußte die theologische und spirilualislische als einseitig in den Hinlergrund treten. Warum sollten gerade die Gesetze der Soziologie, dann jene gesellschaftsbildende Kraft des nationalen Gefühls, welches neben dem allgemeinen sozialen Gefühl alle Völker des Erdenrundes beherrscht, bei der Betrachtung der jüdischen Geschichte außer Geltung gesetzt werden, obwohl unser heiligstes Buch, die Bibel, selbst so reich an soziologischen Motiven ist? Bei jedem Volke kann man unter allen Umständen die Tendenz nach ,.a u t o n o m e r L e- 1) e n s g e s t a 1 t u n g" konstatieren — warum sollte gerade beim jüdischen Volke nach dem Verluste seiner politischen Selbständigkeit bloß ein „Denken und Leiden", eine Marlyriologie und eine Literaturgeschichte, existieren? Das ist — um ein Wort Barths zu

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