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Menorah · 1926-08-01 · Heft 8 (August 1926) · p. Seite 470

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 8 (August 1926)
Article
Gespräche über Kunst, Judentum und Judenstaat
Date
1926-08-01
Page
Seite 470 (sequence 4)
Language
German
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470 MENORAH *2*v-- ^U"-*^ ^r^^' ''\ri^%rf Pinchas Litwinowski (Palästina): Lachender Knabe nenne ich Judenslaat malen. Warum hat noch kein Palästinenser das Kinderdorf am Abhang des Kleinen Hermon gemalt? Ich sah einmal dort jüdische Kinder ein paar Schritte von einer Herde von Gazellen spielen, ohne daß die Gazellen flüchteten . . . Warum malt Ihr nicht das? Warum malt Ihr überhaupt nicht mehr den freien, gesunden, sportlichen Körper des Menschen? Kinder mit Gazellen, beide frei, beide gesund, beide jung — auch das nenne ich .Judenslaat' malen .. .'' Der Maler (nachdenklich): „Das müßte man naturalistisch malen . . ." Ich: „Vielleicht. Aber der Stil ist wirklich dabei nebensächlich. Goethe gab in seiner erhabenen Sprache die unveränderliche Regel für alle Kunst; für Malerei sowohl wie für Drama und Lyrik ... es sei ,bedeutend und gefällig', verlangte der Meister. In welchem Stil Sie malen, ist für unser Volk heute ganz gleich, da es sich ja doch erst seinen eigenen Stil in Jahrhunderten erwerben muß. Nur eins ist wichtig, daß es .bedeutend' und ,gefällig' sei. Gefällig allein — das ist Kitsch. So verweichlicht man, aber so erzieht man kein Volk zur Gesundheit. Bedeutend allein — das ist Philosophie, aber nicht Kunst, nicht Leben." Der Maler: „Sie verlangen letzten Endes doch Programm-Malerei und vergessen, daß niemand malen kann, was nicht in seiner Seele drin ist. Ich. zum Beispiel, bin Landschafter, bin kein Politiker — wie soll ich da aus politischen Gründen, um dem Publikum zu gefallen, heroisch malen?'* Ich: „Vergessen Sie nicht, wovon wir ausgingen. Sind Sie der große, ganz große Maler, der den Gipfel seiner Kunst erreicht, dann neige ich mich vor Ihnen, ob Sie nun Jude oder Hottentotte sind, anerkenne und bewundere Sie. Sind Sie aber der große Meister nicht — und nicht jeder muß ein Genie werden, die Welt hat für Nicht-Genies auch Platz — dann müssen Sie mir in anderer Weise besonders nahekommen, wenn ich Sie schätzen soll. Und ist in Ihrer Seele nicht das drin, was in unserem heimkehrenden Volk brennt und lodert: die Liebe zum Land, der Durst nach nationaler Auferstehung, die Sehnsucht nach Gesundung auf der Väter Boden — dann interessieren Sie mich eben nicht. Dann sind Sie mir genau so fremd wie ein mittelmäßiger holten Ionischer Maler. Dann aber appellieren Sie auch nicht an mein Gefühl für Tozeret Haarez zugunsten Ihrer Kunst."

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