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Menorah · 1926-08-01 · Heft 8 (August 1926) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 8 (August 1926)
Article
Gespräche über Kunst, Judentum und Judenstaat
Date
1926-08-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Gespräche über Kunst, Judentum und Judenstaat Von \V olfgang von W e i s 1 Jerusalem, im Juni 1926. I. Ein befreundeter Maler lud mich jüngst ein, seine Ausstellung zu besuchen, die er in Jerusalem mit großen Hoffnungen aufgetnn hatte und, ohne ein einziges Bild verkauft zu haben, traurig und mit Defizit wieder zu schließen im Begriffe war. Er klagte darüber, klagte, daß auf der Keren Kajemeth-Ausstellung in Haifa von allen dort ausgestellten Bildern aller möglichen Maler keines verkauft wurde und schimpfte auf das unverständige palästinensische Publikum. ..Hören Sie, lieber Freund," sagte ich ihm. ..warum in aller Welt soll denn jemand zum Beispiel eines Ihrer Bilder kaufen? Sie sind ja nicht konkurrenzfähig." Der Maler entrüstete sich. ..Alle hebräischen Zeitungen haben mich sehr gelobt." Ich: „Ja, Sie sagten selbst, daß das Publikum nichts von Kunst versieht. Man lobt aus Patriotismus mehr weniger jeden Maler hierzulande — aber aus Vorsicht kauft man doch nichts von ihm. Wozu auch?" Der Künstler: „Ich bin sprachlos über Ihre Anschauungen. Ich habe immer geglaubt, daß Sie ein verständiger und künstlerisch veranlagter Mensch seien und jetzt sagen Sie so etwas! Man ist doch verpflichtet, die nationale Kunst zu unterstützen. Wovon sollen wir Künstler denn leben, wenn niemand uns hilft?" Ich: „Im Prinzip sehe ich auch gnr nicht ein, wozu ihr leben sollt. Es tut mir schrecklich leid, wenn jemand als Individuum Not leidet — aber im Prinzip verstehe ich nicht, wieso Sie verlangen können, daß man Ihnen helfen soll. Wem helfen denn Sie mit Ihrer Malerei?" Der Künstler: „Also, Sie meinen, daß heute, im Moment des Pidästina-Aufbaues, die Malerei oder die Kunst überflüssig sei? Sie sind so rationalistisch, daß Sie nicht erkennen, welche gewaltige Bedeutung die Kunst auf ein erwachendes Volk hat, welche Propagandawirkung sie besitzt? Sie unterschätzen die Imponderabilien!" Ich: „Im Gegenteil. Ich liebe die Malerei. Ich liebe sie nicht nur platonisch; ich kaufe auch Bilder, sammle. Wissen Sie, da habe ich einen Wiener Meisler aus der Waldmüller-Zeit für zwei Pfund gekauft. Das schlechteste Machwerk des Palästinensers F. kostet aber fünf Pfund — finden Sie nicht, daß es besser ist, man kauft dafür zwei gute europäische Bilder, die man bei einem Trödler aufspürt?" Der Maler: „Wie können Sie alle Meister vierien Ranges mit modernen, lebenden und lebendigen Werken vergleichen? Vielleicht ist für Sie speziell diese verstaubte Kunst noch siiinhaft. aber unsere Zeit im allgemeinen verlangt doch heute eine neue Kunst, kann sich nicht mit Alt und Daffinger und Waldinüller-,Schülern' abspeisen lassen. Vergessen Sie doch nicht, daß zwischen damals und heute ein Weltkrieg liegt, eine Weltrevolulion! Die konnte doch nicht spurlos an uns vorbeigehen. — wir müssen doch heute anders malen. Das läßt sich doch nicht vergleichen!" Ich: „Es tut mir leid, Ihre Meinung nicht teilen zu können, was die Folgen des Wellkrieges auf gewisse Entartungen der expressionistischen Kunst anbelangt. Ich erinnere mich undeutlich, daß vor dem Wellkrieg einmal die napoleonischen Kriege und die französische Revolution gewesen sind und daß diese Kriege an der Auffassung der Natur in der Kunst ebensowenig geänderl haben, wie der Dreißigjährige Krieg oder die Völkerwanderung und das Auftauchen des Christentums. Das Schönheitsideal des griechischen Malers des vierien Jahrhunderts und das Herrn Liebermanns ist im wesentlichen doch identisch geblieben und was sich davon entfernt hat, gilt und wird gellen als krankhafte Entartung einer kranken Zeil: das heißt: hat nur Kuriosilätswerl. Aber lassen wir das: sprechen wir nicht vom Stil der Kunst, sondern

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