Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 8 (August 1926)
- Article
- Musik in Palästina
- Date
- 1926-08-01
- Page
- Seite 462 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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462 MENORAH hat allgemein starken Eindruck gemacht. Sonst ist es leider bisher nicht gelungen, ein Quartett zu finden, das seine Kammermusik spielen würde. Noch viel weniger natürlich ist an eine Orchesteraufführung zu denken. Was man bisher in privaten Kreisen hörte, waren immer nur Klavierbearbeitungen, Bearbeitung und Aufführung das Verdienst seines unermüdlichen Apostels, des Herrn Herbert Eckertz, im Zivilberuf Beamter des deutschen Konsulates in Jerusalem, dessen arische Abstammung und christlicher Glaube ihn nicht hindert, die vertracktesten Dinge von rechts nach links zu lesen. Dieses von Rechtsnachlinksschreiben Sandbergs ist keine Marotte, sondern stammt von den hebräischen Texten, die er seinen Kompositionen unterlegt. Und diese Texte sind nicht etwa deshalb hebräisch, um die Musik jüdischnational zu machen. Sondern Sandberg lebt in dieser hebräischen Sprach- und Gefühlswelt und insbesondere jener der Bibel und des hebräischen Gebetes. Und seine hebräische Musik ist nicht etwa das beliebte Ragout aus Volksliedern und Chasan-Gesang. Hier ist nichts gemacht, alles ist innerer Zwang und man ist eher versucht (Sandberg ist seiner Erziehung nach Österreicher), an Schernberg zu denken. Aber ich glaube doch, daß die musikalischen Analogien nur sehr äußerliche sind — und seelische gibt es gewiß nicht. Der Ernst und die Religiosität Sandbergs sind so fern der Skepsis und dem Ästhetentume Schönbergs als Jerusalem von Wien entfernt ist. Und wird es so etwas wie jüdische Musik geben, so wird sie so entstehen wie Sandbergs Musik entsteht: ungewollt, als Musik schlechtweg, als unbedachter Ausdruck der eigenen Persönlichkeit unter dem Himmel Palästinas, durchweht von seiner Luft, durchtränkt von seiner Sonne, genährt von seinem Boden. Und so ist Sandberg letztens auch dazu gekommen Vierteltöne zu gebrauchen — nicht, weil die Araber sie singen, aber wahrscheinlich doch von derselben Ursache bestimmt. Die „Vereinigung" nun, um auf sie zurückzukommen, hat im vorigen Frühling in Jerusalem zweimonatlich sehr formlose, halbprivate Musikanfführungen veranstaltet, die bahnbrechend wirkten, in denen die Ausführung nichts, der Inhalt alles galt. Man scheute sogar vor Symphoniebearbeitungen für vier Hände nicht zurück und machte so ein Publikum, das, sofern es aus Europas äußerstem Osten oder Westen kam, von Mahler kaum den Namen kannte, mit einigen seiner Werke bekannt. Auch Sandberg kam mit seinem „Koheleth" dort zum erstenmal zu Gehör. Und schließlich hat die Vereinigung eine Anregung des Schreibers dieser Zeilen aufgegriffen und zur Durchführung vorbereitet. Die Anregung ist die Abhaltung eines Kongresses