Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 8 (August 1926)
- Article
- Der Tischa-beaw des Sabbathianers
- Date
- 1926-08-01
- Page
- Seite 459 (sequence 5)
- Language
- German
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DIE MALERIN IRMA STERN 459 Als die Handwerker nüchtern wurden und sich über das Geschehene Rechenschaft gaben, erzählten sie, welche Lehren ihnen der Rabbi gepredigt hatte; seine Geschichten von Sabbathai Zwi und vom messianischen Freudentag des 9. Ab, an dem ,,Sabbathai der Messias" geboren worden war, hätten sie so in Bann gehalten, daß sie nicht wußten, was sie taten. Und lange nachher seufzten sie noch, wenn sie von ihrem Rabbi sprachen: „Ach, welche Macht hatte er doch über uns!" er französische Maler Paul Gauguin stammte von peruanischen _|_ß Vorfahren ab: er halte heißes Blut in seinen Adern und es trieb ihn aus der städtischen Atmosphäre von Paris zuerst in die Bretagne und, als auch diese ihm nicht mehr genügte, nach Australien, in die Südsee, zu den Wilden. Iiier hat er die farbigsten, lebendigsten und am wenigsten vergänglichen seiner Bilder geschaffen. Die Malerin Irma Stern, die als Kind jüdisch-deutscher Eltern in Gapetown in Südafrika zur Welt gekommen ist, hat manche Ähnlichkeit mit Gauguin. Die Menschen, die sie darstellt, sind Wilde. Die Landschaft, die ihr als Motiv dient, ist Tropenlandschaft, Urwald, Bambusgehölz. Dabei hat sie das Glück, auch im Stadtbild schon den farbigsten Orient zu finden, der einem Maler erwünscht sein könnte: das Völkergemisch aus Hindus, Holländern und Engländern, die in Afrika ihre Heimat gefunden haben, die nach Südafrika verpflanzten chinesischen Kulis, das alles dient dem Sujet, das Irma Stern für ihre Tuschzeichnungen, Aquarelle und Pinselblätter gewählt hat. Wenn von Technik bei ihr überhaupt gesprochen werden kann, wenn man an irgend welche Vorbilder erinnern will, von denen sie nicht gelernt haben kann, weil sie sie nicht gekannt hat, so darf man sagen, daß manche ihrer Zeichnungen an Kokoschka, die Aquarelle an Max Pechstein erinnern, der aber zu seiner Technik, seiner Manier auch erst in der Südsee gekommen ist, so daß auch hier nur vom Einfluß des Irma Stern umgebenden Milieus, aber nicht vom Einfluß eines Vorbilds gesprochen werden kann. Eine Ausstellung bei Fritz Gurlitt in Berlin und eine Ausstellung bei Hugo Heller in Wien haben diese Malerin in Mitteleuropa bekanntgemacht. Die Kultur ihrer Gemälde scheint manchmal ein wenig akademisch: sie hat noch viel zu lernen, aber sie ist auf dem Wege. Die Malerin Irma Stern Josef Kalmer.