Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 8 (August 1926)
- Article
- Der Tischa-beaw des Sabbathianers
- Date
- 1926-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Der Tischa-beaw des Sabbathianers s gibt heute keine Anhänger des Sabbathai Zwi mehr, jenes J_J falschen Messias, der in der Judenheit der ganzen Welt eine so ungeheure Bewegung entfacht hat, daß seine Gestalt nicht nur in die jüdische Geschichte, sondern auch in Sage und Legende eingegangen ist Die Bewegung, die Sabbathai Zwi, eine der merkwürdigsten Erscheinungen in der langen Reihe der jüdischen Messiase, hervorgerufen hatte, blieb lange Zeit lebendig und vermochte noch drei Menschenalter später durch die Propaganda des Jakob Frank zahlreiche neue Anhänger zu gewinnen, bis sie, durch den Bann des rabbinischen Gesetzes bezwungen, allmählich völlig verschwunden ist. Und doch lebt bis heute die Erinnerung an Sabbathai Zwi, nicht nur in der Sage, sondern auch in einer Art unterirdischer Wirklichkeit noch fort; da und dort taucht einmal ein Jude auf, der Sabbathai Zwi's Ideen und des falschen Messias Gedenken noch in sich trägt. Von einer solchen Begegnung, die vor einigen Jahren in einem kleinen Städtchen der Ukraine stattfand, hat mir ein Freund erzählt und ich gebe sie, seinem Bericht getreu, wieder: Auf der Wiese vor der Stadt S., wo sonst die Zigeuner ihre Zelte aufschlugen, fanden eines Nachmittags im Frühsommer die kleinen Jungen und Mädchen meines Heimatstädtchens, die dort ihren Tummelplatz hatten, einen gedeckten Wagen, der eine vierköpfige jüdische Familie beherbergte. Das Familienoberhaupt trug langen Kaftan, einen fremdartig geformten Hut und außergewöhnlich lange Schläfenlocken, seine Frau eine reichgestickte Stirnhaube; die zwei Kinder, Mädchen, waren in buntfarbige Kleider gehüllt, die denen der ukrainischen Bauernmädchen ähnelten, und zogen durch ihre eigenartige, exotische Schönheit alle Augen auf sich. Die erwachsene Jugend des Städtchens, welche den Weg entlang der Wiese für ihre x^bendspaziergänge benützte, blieb stehen und betrachtete den Wagen mit den sonderbaren Ankömmlingen. Es schienen Wanderbettler zu sein. Darüber wurden unter den neugierigen Spaziergängern allerhand Bemerkungen ausgetauscht. Indessen kamen die Insassen des Wagens hervor, voran der Mann, nach ihm die Frau mit den zwei Mädchen, und begannen mit den Zuschauern ein Gespräch, das bald auf das Städtchen S. und seine Bewohner kam. Die Bekanntschaft der Fremden mit der Stadtjugend wurde bald recht vertraulich; man setzte sich miteinander aufs Gras und die Fremden erzählten aller- Einer wahren Begebenheit nacherzählt von E. G. Fried