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Menorah · 1926-08-01 · Heft 8 (August 1926) · p. Seite 424

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 8 (August 1926)
Article
Richard Beer-Hofmann
Date
1926-08-01
Page
Seite 424 (sequence 1)
Language
German
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424 MENORAH R.icliarct Beer~Hofmann Zu seinem 60. Geburtstage JVlit Genehmigung des Autors entnommen aus Theodor Reik: Das ^Werk Richard Beer-Hofmanns. R. Löwrt Verlag. "Wien und Berlin 1919. Kein Dichter schafft, was er will. Er arheilet, getrieben von unsichtbaren Gewalten, was er muß, was ihn beunruhigt und zur Sprache will. So vereint das Künstlertum Fluch und Segen in sich; es ist Auserwähl lheit nach unbekanntem Gesetz. Das Schaffen Beer-Hofmanns hat eine tiefe Wurzel im Judentum. Das Los dieses Volkes, das, an tausend Kreuze geschlagen, immer wieder aufersteht, hat endgültige Gestaltung noch nicht gefunden. Ein Anfang liegt vor: im roten Itzig. Shylock ist wohl Jude, aber sein Schicksal ist kein spezifisch jüdisches. Wohl hat Shakespeare mit weiser Absicht die Tragik des Shylock an das Familienleben geknüpft; an die empfindsamste, verwundbarste Stelle der jüdischen Psyche. Aber daß eine Tochter entführt wird, kann jedem Vater (nicht bloß einem jüdischen) passieren. Hier aber wird ein jüdisches Schicksal — wenn auch episodisch -— gestaltet. Im roten Itzig wird nicht nur der Jude gezeigt, wie er ist, sondern auch, wie er geworden ist. Doch es kommt schließlich nicht so sehr darauf an, daß dieser Dichter jüdische Probleme behandelt. Vielmehr darauf, daß das Spezifische jüdischer Geistigkeit, jüdischer Erlebnisart in seiner Gestaltung als Potenz stark fühlbar wird. Wir empfinden die durchgängigen Züge, welche durch Beer-Hofmanns Schaffen gehen, und ihre eigenartige Verschmelzung, ihre Auflösung und Erhöhung durch ein drittes, umfassenderes Motiv als jüdisch, wenn wir auch ihre persönliche Prägung und das, was sie ins allgemein Menschliche emporhebt, erkennen. Erinnern wir uns jener entscheidenden Abendstunde in ,,Der Tod Georgs", welche Paul aus engem Bezirk in die Weite der Welt geführt, aus Zweifel zur Erkenntnis, daß alles gerechte Wege ging. Die Erkenntnis dieser Stunde halle er ,,Gerechtigkeit" genannt; aber schon erhebt sich auch hier der Zweifel. Woran sollte er es erkennen, daß nicht auch dieser Stunde das Schicksal früherer bereitet war, daß nicht auch das, was sie ihm gebracht, an ihn herangeweht war aus Vielem, das ihn umgab? Entscheidung bringt hier das Bewußtsein, daß sein Blut selbst es war, das zu ihm geredet hatte; und darauf zu horchen hatte das Leben ihn gelehrt. Gerechtigkeit war wie eine Sonne über dem Lehen derer gestanden, deren Blut in ihm floß. Wie eine Sonne, „deren Strahlen sie nicht "wärmten, deren Licht ihnen nie geleuchtet und vor deren blendendem Glanz sie dennoch mit zitternden Händen, ehrfürchtig ihre leidenerfüllte Stirne beschatteten. Vorfahren, die irrend, den Staub aller Heerstraßen in Haar und Bart, zerfetzt, bespieen mit aller Schmach wanderten; Alle gegen sie, von den Niedrigsten noch verworfen — aber nie sich selbst verwerfend; nicht in beltelhaftem Sinn, ihren Gott ehrend nach dem Maß seiner Gaben; in Leiden nicht zum barmherzigen Gott — zu Gott dem Gerechten rufend. Und vor ihnen Viele, deren Sterben ein großes Fest, Anderen bereitet war. Bings um sie Feierkleider, das Leuchten edler Steine, flatternde Fahnen und Prunk und der Hall \on Glocken und der Gesang vesperlicher Hymnen und auf allem ein Widerschein von sinkender Sonne und Flammen, die königliche Hände entfacht — — — sie selbst an Pfähle geschnürt, das Feuer erwartend, schuldlos Sünden sich erdichtend und ihre Qualen ,Slrafe' nennend, nur daß ihr Göll ein Unhezweifelter, Gerechter bleibe. Und hinter Ihnen allen ein Volk. Gnaden nicht bettelnd, im Kampf den Segen seines Gottes sich erringend; durch Meere wandernd, von Wüsten nicht aufgehalten, und immer vom Fühlen des gerechten Gottes so durchströmt wie vom Blut in ihren Adern; ihr Siegen — Gottes Sieg; ihr Unterliegen —

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