Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1926)
- Article
- Der Row und die Rebbezen
- Date
- 1926-06-01
- Page
- Seite 415 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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DER ROW UND DIE REBBEZEN I J Wenn der Row Thora lernte, sagte seine Frau, sie höre die Engel im Chor singen, und wenn die Rebbezen Sabbatfische kochte, beschwor der Row, er rieche die Düfte des Paradieses. Der Row und die Rebbezen waren beide gleich gut, fromm und klug. Das einzige, worin sie sich voneinander unterschieden, war, daß die Rebbezen ganz gut hätte rabbinische Entscheidungen treffen können, daß aber der Row in Sachen der Fischkochkunst ein völliger Laie war. Aber Gott hatte den Schoß der Rebbezen verschlossen und sie hatte keine Kinder. Und der Row saß in einem Winkel und die Rebbezen im zweiten und beide beteten leise zu Gott: „Herr der Welt! Erhöre das Gebet deines Knechtes und segne mich mit einem Sohn, daß ich ihn deine Thora lehre und deine Gebote ..." „Herr der Welt! Vernimm das Gebet deiner Magd und beglücke mich mit einem Kind, daß ich in sein Herz gute Lehren pflanzen und es lehren kann, deinen Willen zu tun . . .<; Dann setzte sich der Row seiner Frau gegenüber nieder und sprach: „Wenn unser Sohn beginnen wird zu sprechen, werde ich selbst ihn das Alef-Bejß lehren und die Sprache der Väter und ihm das Gesetz erklären . . Und die Rebbezen setzte hinzu: „Wenn unser Einziger erwacht und schlafen geht, werde ich mit ihm die Segenssprüche sprechen und die Gebete . . So verging Jahr um Jahr; die Leute in der Stadt begannen zu reden: „Wenn eine Frau zehn Jahre nach der Hochzeit kein Kind hat. darf der Mann nicht mit ihr wohnen ..." Sie sagten es auch dem Row, der aber antwortete ihnen: „Ich werde meine Frau nicht verstoßen und Gott wird uns einen Sohn schenken . . Die Leute in der Stadt wurden böse und wollten den Row seines Amtes enlsetzen; doch später überlegten sie sich, was dem Row recht sei, könne auch ihnen recht sein — und so gingen die Jahre dahin. Der Row saß am Tische gegenüber seiner Frau und sie sprachen: „Wenn unser Kind heranwachsen wTird, werde ich zusammen mit ihm die Bibel, das Gesetz und die Lehren mit allen Kommentaren lernen .. ." „Wenn unser Sohn Freitags aus dem Bade kommt, werde ich ihm frische Wäsche reichen und wenn er am Sabbat aus der Schul' heimkehrt, werde ich ihm den Becher mit dem Sabbatwein kredenzen . . Nach einer Zeit erinnerten sich die Leute in der Stadt wieder des kinderlosen Paares und gaben ihnen einen Rat: Von L. S c h a p i r o s war einmal ein Row und eine Rebbezen.