Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1926)
- Article
- Leibesübungen bei den Juden
- Date
- 1926-06-01
- Page
- Seite 378 (sequence 1)
- Language
- German
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LEIBESÜBUNGEN BEI DEN JUDEN1) Von Dr. Süßmann Muntner A. Biblische Epoche Das jüdische Volk, das in seiner ägyptischen Sklaverei schwere Arbeit gelernt hatte, war auf seinem Heimatboden ein urwüchsiges Arbeitervolk von Ackerbauern und Viehzüchtern. Die Beschäftigung mit dem Ackerbau war den Juden so heilig, daß Jesajah (28, 26) der Ansicht ist, sie sei den Menschen von der Gottheit selbst gelehrt. Sie besaßen eine große Anzahl von Leibesübungen, freilich nicht ein System wie die Griechen, denen die Leibesübung fast die einzige Art der körperlichen Betätigung war. Ruhe, Muße und Symposien füllten den Tag des freien Griechen oder Römers. Die Muße — s/oXo — otium — war das Normale, während die körperliche Arbeit — do-yoV/) — n e g otium — das vom Normalen Abweichende darstellte. Eine Anzahl Worte kennt das Hebräische für „Arbeit": ttTOP ,H3kSö ,rrl&työ und die körperliche Übung, das ,,Mühen", wird mit Söy bezeichnet. Das tägliche Brot anS, bedeutet eigentlich das dem Boden „Abgerungene", „Erkämpfte". Nur ein solch rüstiges Volk konnte daher auch den Gedanken eines „R u h e" tages (rat?) in der Woche und dessen Heiligung fassen. Neben der Erziehung zum Glauben an Gott, als den Schöpfer und Lenker der Welt, dessen Streben die Gerechtigkeit ist, die man durch das Mittel der treuen Erfüllung der Gebote und Satzungen der Thora ausüben kann, ging die körperliche Erziehung einher. Sie lag meist in den Händen des Vaters. Es war ein uralter Brauch, der bereits im Sefer hajjaschar verzeichnet sein soll2), die Söhne Judas im Bogenschießen zu unterrichten. Jeder jüdische Jüngling, der das 20. Lebensjahr erreichte, wurde zum Heeresdienst eingezogen, ursprünglich wurde er dazu auserwählt, gemustert, daher der Name uro für Jüngling. Es bleibt sich also gleich, ob wir im folgenden von den Leibesübungen im jüdischen Heere oder der Zivilmenschen sprechen. Dem Heere anzugehören war eine Tugend, „Heer" wurde später der Inbegriff für „Tugend". Die Kraft und die Heldentaten des alten jüdischen Heeres und seiner Heroen Josua, Simson, Gideon, Ah ab und andere mehr werden in zahlreichen biblischen Büchern und Gesängen besungen. Die Idealcestalt Israels, sein Gott war eine mächtige Heldenfigur mil ilty 71 ,nörnö t^S und der Ruhm der Jünglinge war ihre Kraft3). Zu den am meisten gepflegten Leibesübungen gehörte der Tanz und die rhythmische Gymnastik. Nicht weniger als zehn Ausdrücke kennt die hebräische Sprache für diese Leibesübung: ,"ö*D ,SSin oSl "TOP ,pntP /Tpl ,f>Bp ,fTDö ,7TB. Jede dieser Wurzeln bedeutet eine besondere Form dieser Leibesübung, der Tanz ist wohl auch mit die älteste der Leibesübungen überhaupt. Gleichzeitig war der Tanz die älteste Form des Gebetes. Die Israeliten tanzten um das Goldene Kalb4);