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Menorah · 1926-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1926) · p. Seite 361

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Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1926)
Article
Jüdische Eigenart und moderne Biologie
Date
1926-06-01
Page
Seite 361 (sequence 1)
Language
German
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JÜDISCHE EIGENART UND MODERNE BIOLOGIE 361 nicht von Ärzten selbst stammen; selbst in fortgeschrittenen Ländern ist zur Ausfüllung des Scheines oft der Bader berechtigt. Dieser Fehler des Verschweigens tritt besonders in Erscheinung bei den Nervenkrankheiten. Die Arbeiten der letzten Jahre haben das Problem mehr von der vererbungswissenschaftlichen und der psychologischen Seite her angefaßt und, wie es scheint, mit Erfolg. Einige Behauptungen sind durch den Beweis des Gegenteils gegenstandslos geworden. So wurden Fälle dieser schwer degenerativen Erkrankung, der Tay-Sachs sehen amaurotischen Idiotie, auch in verschiedenen nichtjüdischen Familien nachgewiesen. Ein beinahe klassisches Beispiel ist die männliche Hysterie geworden. Durch alle Abhandlungen ging die ,,Tatsache" von der besonderen Häufigkeit dieser Störung bei jüdischen Männern, insbesondere in Polen. Bis plötzlich das große Experiment des Weltkrieges die männliche Hysterie in allen Ländern in einem Ausmaß zum Ausbruch brachte, daß von einer Spezifität nicht mehr gut die Rede sein konnte. Sicherlich besteht eine große nervöse Ansprechbarkeit und Überempfindlichkeit bei den Juden aller Länder. Die Sorge um die Gesundheit, beziehungsweise die Angst krank zu werden oder zu sein, nimmt allerdings oft geradezu krankhafte Formen an. Aber eine eigentliche ,,Psychosis judaica" ist das nicht. Auch durch die Aufrollung des Problems von der psychologischen Seite her konnte gezeigt werden, daß eine Reihe von Gharakterzügen, wie das Nörgeln u. a. nicht eigentlich den Juden eigene pathologische Zeichen sind, sondern aus der Normalpsyche heraus erklärt werden können, daß es zu diesen Symptomen zum Beispiel bei der progressiven Paralyse kommt, weil das Krankheitsgefühl lange erhalten und dadurch der Kranke noch zu Widerständen fähig ist. Andere Krankheiten finden von der Vererbungslehre her ihre Erklärung. Rezessive Leiden werden beim Zusammentreffen gleichartig belasteter Familien, und nur diese sind gefährlich, in einer ganz bestimmten Zahl in Erscheinung treten. Es gibt bereits einige Arbeiten, die die Häufigkeit von Verwandtenehen bei den Juden nachweisen. Im Osten ist bekannt, daß man besonders in den chassidischen Kreisen alles versucht, um die Familien geschlossen zu halten, das heißt Verwandtenehen einzugehen. Die rein degenerativen Geisteskrankheiten sind bei den Juden häufig. Die Dementia praecox, beziehungsweise Schizophrenie ist nach einer vergleichsstatistischen Tabelle auch bei den Nichtjuden die prozentual am häufigsten vorkommende Krankheit der Anstaltsinsassen, der Prozentsatz erreicht bei den Juden aber die Höhe von fast 29 Prozent. Die Krankheitsformen der Gruppe des manischdepressiven Irreseins, wenn auch prozentual niedriger, kommen aber bei Juden drei- bis viermal so häufig in Anstalten vor als bei der nichtjüdischen Bevölkerung. Wie weit aber aus Anstaltsaufnahmen auf die wirklichen Krankheitszahlen zu schließen ist, ist dabei nicht berücksichtigt. Bei der Epilepsie finden wir bekanntlich eine geringere Beteiligung der Juden. Der geringe Alkoholkonsum der Juden ist nicht das allein Maßgebende dabei. Daß aber die Juden der ganzen

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