Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1926)
- Article
- Unsere Mutter
- Date
- 1926-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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jF^ J<l zs jB jn juj je: ju T Unsere Mutter Von A. K. (11. Fortsetzung.) Wir hatten natürlich immer eine jüdische Köchin, darauf hätte schon Vater bestanden. Zwei Schwestern dienten viele Jahre lang hintereinander bei uns, bis sie heirateten — auch diesen stand Mutter mit Rat und Tat bei. Beiden ging es gut, sie schwangen sich im Laufe der Jahre zu den ersten Obsthändlerinnen der Stadt auf, die auch die vornehmen christlichen Kreise zu ihren treuen Kundinnen zählten. Und ich kann mich nicht enthalten, zu erwähnen, wie brav und ehrlich und fleißig diese Frauen immer waren. Die eine behauptete immer, wenn ich zu Besuch nach B. kam und ihren appetitlichen Laden aufsuchte, das sei der Segen der Mutter, dem sie es zu danken habe, wenn es ihr gut gehe. Und ich freute mich jedesmal von neuem darüber. Wir bewunderten unsere Mutter unsäglich, und so tat es uns natürlich immer wohl, ihr Lob singen zu hören. In B. lebte ein Fabrikant, den ich nur vom Sehen kannte, während ich mit seiner Frau in der Sommerfrische öfter sprach. Fr war mir nicht sonderlich sympathisch, er hatte etwas so Abwehrendes an sich. Als ich wieder einmal bei meinen Eltern zu Besuch war, traf ich die Dame auf der Straße, und sie bat mich so dringend, sie zu besuchen, daß ich es versprach. Als ich hinkam, war sie nicht zu Hause, dagegen traf ich ihren Gatten, der mich bat, einzutreten, seine Frau würde bald wieder da sein. So gerieten wir ins Gespräch, und er sagte mir, von sämtlichen Frauen seiner Bekanntschaft sei meine Mutter diejenige, der er die allergrößte Bewunderung und Hochachtung zolle. Ich errötete vor Freude, so daß ich ganz verlegen wurde, und von dem Augenblick an war mir der Mann ungeheuer sympathisch, und ich schalt mich im stillen, daß ich so ungerecht gewesen sei, ihn wegen seines verschlossenen Wesens unsympathisch zu finden. Ich gestand ihm mein Unrecht übrigens auf den Kopf zu, und er lachte herzlich darüber. So liebenswürdig und bescheiden Mutter auch war, so verstand sie doch sehr, ihre Würde zu wahren. Einmal fuhren wir in der Elektrischen nach Z. hinaus. Da sprach sie im Wagen ein Herr an und klagte, daß der gestern gelieferte Überzieher nicht passe. Darauf wies ihn Mutter mit den Worten ab: ,,Das müssen Sie im Geschäft melden, mein Herr. Hier bin ich nicht die Vertreterin der Wiener Firma, sondern eine Privatfrau, die zu ihrem Vergnügen nach Z. fährt wie Sie." In ihrer Behandlung der Dienstboten war sie einzig. Es war durchaus die Regel in meinem Vaterhause, daß die Dienstmädchen bis zu ihrer Verheiratung bei uns blieben, es wäre denn, daß sie zu einer kranken Mutter, einem alten, gebrechlichen, verwitweten Vater berufen wurden. Man sagte ihnen noch ,,du", und die Multer hatte zwei Sparkassabii chel in ihrer Kredenzschublade; die wurden an jedem Ersten hervorgeholt und der Lohn einbezahlt; gewöhnlich wurden wir älteren Kinder damit in die städtische Sparkassa geschickt, und so kam es, daß wir über .den Vermögensstand der Hanni und der Susi stets unterrichtet waren. Nur wenn es absolut nötig war, bekamen sie etwas Geld in die Hand, und Mutter mußte stets wissen, wofür. Ich erinnere mich, wie Susi einmal von einem Hausierer zwei Küchenschürzen kaufen wollte und „die Frau*' — damals gab es bei uns noch keine Gnädige — um 65 Kreuzer bat, aber vergebens. Mutter kaufte dem Hausierer Zwirn und Knopfe für den eigenen Bedarf ab, damit er nicht umsonst ausgepackt und gewartet habe, die Susi vertröstete sie auf die nahen Weihnachten. Verdruß gab es wenig,