Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1926)
- Article
- Bücher über den Orient [Rezension]
- Date
- 1926-05-01
- Page
- Seite 307 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2912821-2912853-2912859-2917515--03282-2917661- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
BÜCHER ÜBER DEN ORIENT 307 vorgestellt zu werden. Philby hat während des Krieges vom 14. November 1917 an bis zum Sommer 1918 Arabien von den Bahrein-Inseln bis Djidcla durchquert, in einer zweiten Reise das Innere des Nejd und vor allem den bis dahin vollständig unbekannten wichtigsten Teil des Stüdnejd Ins zum Wadi Dawassir in der Nähe des 20. Breilengrades auf zwei Wegen durchquert und sich damit als Arabienforschcr in eine Reihe mit Bure k h a r d t, B u r t o n, D o u l h y, Huber und Haie v y gestellt. Nach dem Krieg arbeitete Philby, der den Bündnisvertrag zwischen Ihn Saud und England während des Krieges im wesentlichen abgeschlossen hatte, zuerst im Irak, dann, trotz seiner persönlichen Gegnerschaft zu Emir Abdallahs Regierung im Transjordanland als britischer Resident in Amman, das er erst im März 1925 verließ. Über die Bedeutung seines Buches als geographisches Dokument zu urteilen, hat die Britische Königliche Geographische Gesellschaft unternommen, als sie Mr. Philby die Goldene Medaille für seine Entdeckungen verlieh. Die Wichtigkeit dieses Buches für jeden Orientalisten, besonders aber für jeden Arabienreisenden der Zukunft hervorzuheben, ist somit überflüssig. Wichtiger scheint uns das zu sein, was wir in Philby s Buch über das politische Geschehen in Arabiens wüster Vergangenheit und — vielleicht — in seiner nahen Zukunft finden können. Schon der erste Salz des ersten Kapitels ist in mancher Hinsicht ungemein belehrend: Mr. Philby begibt sich an der Spitze einer Expedition zu Ihn Saud, um Ihn Saud, mit dem seit 1916 ein formeller Freundschaftsvertrag bestanden hatte, zu einem Angriff auf die Türken, beziehungsweise deren Verbündeten Ibn Raschid, den Herrscher von Hail. zu bewegen. Diese Expedition verließ im Oktober 1917 Bagdad, im November 1917 landete sie in Ibn Sauds Reich — zwölf Tage nach der Balfour-Deklaration -- aber im ganzen Buch findet sich das Wort Palästina nur vorübergehend, etwa (Band IL Seite 79) in einem Gespräch mit einem Emir mit der Bemerkung, England wünsche nicht mehr, als sich der Last . . . des Irak und Palästina zu entledigen. Das war eine Äußerung des offiziellen britischen Agenten im Frühjahre 1918 auf einer offiziellen Reise im Reich Ibn Sauds! Der ganze Widerspruch in der Durchführung der britischen Politik jener Zeit, da London nach rechts und die britischen Agenten in Arabien nach links zogen, tritt aus dieser kleinen belanglosen Äußerung hervor. Und nimmt man nun noch hinzu, daß die britischen Agenten in Arabien selbst nach sehr verschiedenen Seiten zogen — Oberst L a w r e n c e in Mekka arbeitete daran, die englische Macht zur Verfügung der Haschiiniten zu stellen und Major Philby unterstützte ebenso warm den Gegner der Haschimilen Ibn Saud, dem er allerdings nicht die gleiche militärische Hilfe gewähren konnte, die Lawrence König Hussein brachte — so bewundert man des tomehr die beinahe unglaubliche Elastizität der englischen Politik, die während des Krieges jedem fähigen politischen Offizier freie Hand ließ, und dann nach dem Kriege doch verstand, all die widerstrebenden Tendenzen in den Dienst der Idee des britischen Imperiums einzuordnen. Gerade jetzt, wo Lawrences Werk durch den Sturz Alis und Husseins zur größeren Hälfte zerschlagen ist und Philbys Freund und Verbündeter, Ihn Saud, durch den Verlrag von Hadda der Nachbar Palästinas im Süden und Osten wurde, gewinnen die ungemein ausführlichen Schilderungen des Lebens am Hofe Ibn Sauds und der Kultur (besser der Primitivität) seiner Untertanen besonderes Interesse. Die überragende Herrschergeslalt Ibn Sauds mit allen seinen Vorzügen und Härten tritt lebendig hervor — aber, so sehr sich auch Philby bemüht, die verhältnismäßig imposante Macht klarzulegen, die der Wahhabilenhcrrscher in seiner Hand vereinigt, so wenig überzeugt er uns davon, daß diese Macht der Wahhabiten mehr ist als LMntagsherrschaft. Ibn Saud ist in wenigen Jahren vom verbannten Flüchtling zum König des Hedjas und Sultan des Nejd aufgestiegen. Aber seine Macht ist eine persönliche — mag