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Menorah · 1926-05-01 · Heft 5 (Mai 1926) · p. Seite 305

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 5 (Mai 1926)
Article
Ulla Wolff-Frank
Date
1926-05-01
Page
Seite 305 (sequence 2)
Language
German
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VON UNSEREN KÜNSTLERN 305 Wahr und packend gestaltete sie in der Novelle „Mischpoche" das einigende und aufbauende jüdische Familienleben. Eine Familie kleiner Leute aus der Provinz gedeiht zu einer Weltfirma. Bis die Taufe eines Bruders den Familienzusammenhang stört und den abgetrennten Familientcil vernichtet. Diese dem Leben nacherzählte Geschichte ist auch wahr dargestellt. In einer Erzählung „Mirele" lernen wir das Incinanderflulen von Ost und West im Grenzgebiet der Dreikaiserecke kennen, wo bereits das Hochdeutsch auf den Jargon gepfropft wurde. Das alles ist anspruchslos erzählt, getreu und wahr wie im Rückerinnern wiedergegeben, ein Kunstwerk der Kunstlosigkeit, von Liebe verklärt. Dieses geistige, milde, verstehende Wesen, diese Synthese des feinsten Judentums war das große Geheimnis' ihres Lebens, der wahrhaft harmonische Ausklang. Aus einem Briefe an ihre Kinder, dem Testament ihrer Seele, seien daher die Schlußworte wiedergegeben: „Liebet euch und hallet fest und treu zusammen, bleibt gut. Seid fröhlich und zufrieden und geistig hochgemutet. Achtet die Tradition! Mein Bekenntnis vom Sinne des Lebens ist: Die höchste Güte ist die tiefste W e i s h e i l." Heinrich York Steiner Alfred Grätzer Am 11. August 1911 starb in Berlin ein junger Künstler, gerade als Anerkennung und Erfolg nach ersten Jahren ringenden Mühens dem aufblühenden Talente zu Teil wurden. In der jüdischen Kunstzeitschrift ,,Ost und West" wurden schon vor Jahren die eindrucksvollen Arbeilen Alfred Grätzers, eines gebürtigen Oberschlesiers, gewürdigt. Die Zeichnungen zeugen von tief-empfundener, verhallener Schwermut — von der Verbundenheit mit dem leidvollen Schicksal seines Volkes und der herben Strenge der heimatlichen Landschaft. Judex. r . ■ "7 . -.:; Arnold Zweig Nach einer Radierung von Beatrice Zweig, der Gattin des Künstlers Als „notwendige Antwort auf überflüssige Fragen" schrieb Arnold Zweig vor kurzem über seine Jugend: „ein jüdischer Student mit siebenzwanzig Jahren, der aus kleinbürgerlichem Hause, mein Vater war Sattlermeister, Universitäten, gute Bücher, Ausland und viele junge Menschen gesehen, dem Leid der Jugend, der Juden, der Proletarier durchaus offen stand". Aus dem Studenten schlesischer Heimat entstammend, ist ein Dichter geworden, dessen letzte Schöpfungen „Lessing. Kleist und Büchner", die Novellensammlungen „Frühe Fährten" und „Regenbogen" ästhetisch empfundene Einfühlung in deutsche Kultur und stark geformte Wiedergabe jüngster Zeiteindrücke darstellen. Den national bewußten Juden, seine Treue, seine Hoffnung auf das Wiedererwachen des Volkes zeigen uns ..Das ostjüdische Antlitz" und „Das neue Kanaan". V. 77.

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