Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1926-05-01 · Heft 5 (Mai 1926) · p. Seite 294

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 5 (Mai 1926)
Article
Siegfried Laboschin
Date
1926-05-01
Page
Seite 294 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2912821-2912853-2912859-2917507--03256-2917648
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Von unseren Künstlern: SIEGFRIED LABOSCHIN Als ich vor einigen Jahren für eine führende Baufachzeitschrift einen Nachruf für Hofrat Karl König, den feinempfindenden jüdischen Künstler, dem Wien seine vornehmsten Bauten aus der Jahrhundertwende verdankt, mit den Abbildungen dieser seiner Werke einsandte, schrieb die Schriftleitung, daß trotz der hohen Qualität des Bilderstoffes wohl viele Leser erstaunt sein würden, hier so „unmodernes" zu sehen. Fast muß man befürchten, daß auch viele, die in Aufsätzen jüdischer Kunstzeitschriften fast nur noch Vertreter der „Moderne" suchen, durch die hier beigegebenen Bilder enttäuscht sein werden. Denn Siegfried Laboschin ist kein Moderner, aber er ist und bleibt Vertreter jener Richtung, die in sorgfältigem Zeichen- und I7arbenstudium der Sujets die wahre Kunst des Malers sieht, rastlos und unentwegt, unbekümmert um Zeitströmungen, an eigener Vervollkommnung arbeitend. Laboschin, 1868 in Gnesen geboren, lebt seit Dezennien in Breslau; seine Bilder und Graphiken sind weit über Schlesien hinaus bekannt und wohl in allen deutschen Museen und Kunstsammlungen, auch ausländischen, vertreten. Seine Mal- und Zeichenkunst beschränkt sich nicht auf ein bestimmtes Gebiet. Prächtig sind seine Wiedergaben von Landschaft und Architekturen, die sein künstlerisches Auge in Schlesien, Holland, Polen, Italien und an den unvergleichlich schönen Kunststätten des Reiches festgehalten hat, in Öl, Aquarell und mit der Nadel. Wirkungsvoll ist auch sein lebensprühendes Bild vom Neumarkt in Breslau, das den Marktbetrieb auf dem altertümlichen, schönen Platze der Breslauer Altstadt festhält, ein feines Studium des Volkslebens und prächtiges Stimmungsbild. Auch sein Ölbild „Frühstückspause" ist ähnlich zu werten; es zeigt oberschlesische Feldarbeiter bei der Arbeitsruhe inmitten der typischen schwermütigen Landschaft. Mit Recht wird Siegfried Laboschin auch als Porträtist geschätzt. Bekanntgeworden durch seine lebensprühenden Porträts von Felix Dahn, vom Kultusminister Grafen Zedlitz-Trütschler, Geheimrat Dr. Freund und zahlreicher Persönlichkeiten aus dem kaiserlichen Heer, erhielt Laboschin im Jahre 1915 den ehrenvollen Auftrag, Hindenburg in dessen Posener Hauptquartier zu malen. Dieses historisch denkwürdige Bild zeigt Marschall wie Maler auf der Höhe ihres Schaffens. Sehr reizvoll erscheinen auch Porträtstudien des Künstlers, glänzende Zeichenkunst und malerisches Denken dokumentierend.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.