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Menorah · 1926-05-01 · Heft 5 (Mai 1926) · p. Seite 287

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 5 (Mai 1926)
Article
Oberschlesische Motive
Date
1926-05-01
Page
Seite 287 (sequence 1)
Language
German
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OBERSCHLESISCHE MOTIVE Von Arnold Zweig (Vorrede zu einer Mappe mit Radierungen, die ich im Sommer 1920 auf Bitten eines Freundes schrieb.) I. Die Radierungen, die mit einem Vorwort zu versehen man mich bittet, habe ich nicht gesehen, und doch schreibe ich mit innerer Beteiligung, denn sonst schriebe ich sie nicht, meine Sätze vor das Werk des Graphikers, das vor ihnen die sinnliche Fülle voraus hat, und dem wieder mein Wort mit Horizont und Politik zu Hilfe kommen kann: Oberschlesische Motive . .. Ich kenne diese Landschaft. Das zweite Jahrzehnt meines Lebens wurde von ihr geprägt, von dieser aufreizend mageren und herben Gegend, degradiert zur Umgegend für Industrie, zur Umgegend von Städten wie herausgeschnitten aus beliebigen Großstädten der Jahrhundertwende, die sich arbeitsam ins Getreideland und den schönen Wald wie eine Erkrankung der lebendigen Erde einfraßen häßlich wie Krätze. Gehügelte Ebene, geruhige Bäche, dichter hoher Wald von Fichten und edlen Buchen und ein weithingerückter Horizont; Landschaft von schlesischer Milde, ärmlich und im Kleinsten schön wie jede lebendige Natur — dies die verbreitete Anmut und Armut um die von Menschen gebauten Anstalten zum Arbeiten und Behaustsein; aber diese Anstalten selbst, den benagenden Gasen gleich, die das Grün der Bäume schwärzen und vergilben, und die die Feindseligkeit der Gruben und Hütten gegen das lebendige Leben wahrhaft symbolisch enthalten und fassen, ohne eine Spur von Trost der Schönheit. Nicht als ob in der Dämmerung die Dünste über den Öfen keinen magischen Glanz feuriger Buntheit fänden — und unvergessen sind die drohend und klagend aufgestreckten Gerippe der Fördertürme, die Klötze der Hochöfen, die Labyrinthe der Walzwerke, aus denen nachts mit Funken und Feuer ein tobendes Getöse von Wildheit der Überanstrengung schrie, unvergessen die Lichtscharen der Bogenlampen um die rollenden Förderwagen auf den Scharen der Geleise, unvergessen die aufflammenden Horizonte, wenn nachts die Hochöfen rund um die Stadt ihre glühenden Eisenflüsse spieen, und unvergessen diese roten und veilchenfarbenen Wolken, deren nach Sonnenuntergang tiefes Leuchten die Antwort der Atmosphäre ist auf die Schwängerung mit Kohlenstaub und Gasen — aber in diesem Lande ohne Stille, über das zu keiner Zeit Tages und der Nacht die lautlose

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