Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1926-05-01 · Heft 5 (Mai 1926) · p. Seite 271

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 5 (Mai 1926)
Article
Das Synagogenbuch von Auras
Date
1926-05-01
Page
Seite 271 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2912821-2912853-2912859-2917487--03199-2917625
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Das Synagogenbuch von Auras Von Louis Lewin Auras, ein Städtchen im Regierungsbezirk Breslau, in letzter Zeit nicht mehr von Juden bewohnt1), hatte solche im 17. Jahrhundert aufzuweisen. 1657 werden sie hier erwähnt und waren vermutlich Flüchtlinge vor den Schrecken und Verfolgungen des schwedisch-polnischen Krieges. Kaiser Ferdinand III. sicherte am 22. Mai dieses Jahres durch Schutzpatent ihnen Duldung zu2). 1680 wird berichtet, daß „in dem Burglehn Auras eine ziemliche Menge der Judenschaft, unwissend woher, sich fast täglich mehr häufen solle". 1682 wird „der zu Auras wohnende Jude David Moyses" genannt. 1700 begegnen wir einer literarischen Berühmtheit. Es ist der Bibliograph und Dyhernfurther Buchdrucker „Sabetey Bassista, jüdischer Buchhändler, der sein Domizil zu Auras hat" und auch „seine hebräische Buchdruckerei in Auras" nennt. Ebenso sind 1712 und 1788 Juden nachweisbar3). Das Synagogenbuch der Gemeinde4) ist eine Handschrift in Folio, deren Teile verschiedenen Zeiten angehören. Der älteste enthält elf numerierte papierene dicke Blätter, mit denjenigen hebräischen Gebetstücken beschrieben, die zum Gebrauche der Vorbeter in den Synagogen dienen. Sie unterscheiden sich in nichts von anderen in derartigen „Kontres" ( commentarius) genannten Synagogenbüchern enthaltenen Ritualien. Was dieses Synagogenbuch vor anderen auszeichnet, sind die eigenartigen und vielleicht einzigartigen Illustrationen, von denen anbei Wiedergaben erfolgen. Es sind künstlerische Federzeichnungen aus der Rokokozeit: Engel, Putten, Blumen, Blüten, musizierende Männer aus den Schäfertagen, tanzende Männer und Frauen, ein Türke mit dem dampfenden Tschibuk, ein Bauer, Neptun mit Dreizack und schwimmendem Fasse, der preußische Adler, dem ein fliegender Engel L) Vgl. Handbuch der jüd. Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege (statistisches Jahrbuch) XXI, Berlin 1913, S. 55 ff. a) Notiz im handschriftlichen Nachlasse Professor Branns-Breslau, Jahrbuch der jüd.-lit. Gesellsch. VI, Frankfurt a. M. 1909, S. 268 Anm. 3. 8) Notizen im handschriftlichen Nachlasse Dr. J. Landsbergers-Breslau und Branns aus dem Breslauer Stadtarchiv Hs 823 Farr. Lat. epist. (II) Nr. 37, d. d. 16. August 1682, Breslau. Lit. Patent. V Hs 544; das. Hs 76 Lit. Revers. (I) S. 161a; das. Repert. Scheinig VIII; vgl. Monatsschrift für Gesch. u. Wissensch, d. Judent., 1896 S. 518. 4) Handschriftensammlung in meinem Besitze Nr. 235.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.