Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1926)
- Article
- Eine Predigt aus der Zeit der Befreiungskriege
- Date
- 1926-05-01
- Page
- Seite 266 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Eine Predigt aus der Zeit der Befreiungskriege aum war den Juden der preußischen Monarchie die Emanzipa- |\, tion erwachsen, die sie aus Schutzjuden zu Einländern und Staatsbürgern machte, da wurde ihnen auch die Gelegenheit, ihre patriotische Gesinnung zu bekunden und aus einem staatsrechtlichen Begriff tatdurchpulste Wirklichkeit zu gestalten. Noch am Ausgang des Jahres, in dem das preußische Judenedikt ergangen war, waren die Würfel gefallen, war durch die entschlossene Tat des Generals York das Tor aufgestoßen und der Weg gezeigt worden, der in die Freiheit hineinführt. So ganz unbeschwert war die Stellungnahme der Juden zu der nun freigegebenen großen vaterländischen Erhebung allerdings nicht. Sie, denen eben erst durch einen nur schwer errungenen gesetzgeberischen Akt staatsbürgerliche Freiheit zugesprochen war, standen ja noch keineswegs in ihrer Masse in einem innerlich erfaßten nahen Bezug zum Staate, waren noch in den Anfängen des Prozesses, der sie mit ihrem Vaterlande völlig verschmelzen sollte. Noch war ja auch auf der Gegenseite die Behandlung keine derartige, daß sie sich als gleichberechtigte und gern gesehene Staatsbürger und Volksgenossen fühlen konnten. Noch war ja auch das Ghetto nicht überwunden, und nicht einmal rein physisch der Gleichstand auch nur annähernd erreicht. Und mußte nicht auch die innere Hemmung überwunden werden, die gar manchem bei dem Gedanken kommen mochte, daß die Ideen und Gesetze der französischen Revolution und des französischen und westfälischen Regimes den Fortschritten der allgemeinen und im besonderen der preußischen Judengesetzgebung den einen Steigbügel gehalten hatten? Gleichwohl, trotz all dieser Komplikationen, hat sich die Judenheit Preußens in der Zeit der Befreiungskriege in hervorragender Weise bewährt, hat sie des Königs Aufruf an sein Volk mit naiver Selbstverständlichkeit auch auf sich bezogen und für das um seine Freiheit kämpfende Vaterland freudig Gut und Blut dahingegeben. Aus Aufsätzen von Theodor Zlocisti, Martin Philipsohn und Moritz Stern sind wir über die Leistungen und — wenigstens teilweise — auch über die Stimmungen der preußischen Judenheit in jenen Tagen hochgehender Begeisterung und Opferfreudigkeit unterrichtet. Leider aber schlummert das Werk, das diese ganze Zeit im Rahmen einer umfassenden Arbeit über die geschichtliche Entwicklung der Militärpflicht der preußischen Juden eingehend behandelt, Mitgeteilt von J. Jacobsolin