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Menorah · 1926-04-01 · Heft 4 (April 1926) · p. Seite 228

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 4 (April 1926)
Article
Der Traumsiedler
Date
1926-04-01
Page
Seite 228 (sequence 4)
Language
German
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228 MENORAH „Melech! Melech!" Und ich stürze ihm entgegen. Ich umarme, ich küsse ihn, als wäre er mein eigenes Kind. „Friede mit euch!" „Friede!" grüßt der Alte mit zitternder Stimme und trocknet seine feuchte Stirn. Melech sagt lustig: „Da habt ihr mein Großväterchen. Ich habe ihm erzählt, wie schön es hier ist... und da sind wir durchgegangen. Wir sind zu euch gekommen. Arbeiten wollen wir, wir beide." Ich reibe meine Augen, in die etwas hineingeflogen ist. „Ein Käfer", sage ich und kann nicht weiter. „Lieber Sohn", sagt Großväterchen und seine Stimme keucht, stockt, „ich... ich bin schon alt... aber... seid unbesorgt... ich will nicht... viel essen ... gebt mir ... eine Arbeit.. ." Ich möchte mich abwenden. Jetzt verstehe ich, warum Beracha ab und zu so gerne weint. Man bedarf der Tränen. Großväterchen setzt sich, um auszuschnaufen. Melech setzt sich neben ihn; er ist auch müde. Ich möchte zu ihnen sprechen, aber ich kann es nicht. Mir fällt kein Wort ein. Eine neue, eine andere Kraft regt sich in meinen Muskeln, wie ich den Reis begieße. Ich weiß, daß er auch gedeihen wird. Er muß. Muß. Und ich rede zu ihnen mit der Schaufel und dem kotigen Wasser. Das dir, du weißer Greis, das dir, du bleiches Kind, das euch, euch, euch. Es wäre mir lieb, wenn sie diese Sprache verstünden. Der Alte tritt zu mir heran: „Gib mir, mein Sohn, eine Schaufel und sage, was ich tun soll." Melech möchte auch etwas anfangen. Gießen könne er auch. Es gelingt mir kaum, abzulehnen. „Jetzt noch nicht! Ruht ein wenig, dann kommt Ihr mit mir, Ihr seid hungrig." Der Alte schüttelt den Kopf: „Hungrig? Nein! Erst arbeiten, dann essen. Ich will es nicht umgekehrt tun. Du weißt doch, was die uralte Lehre sagt? Die Arbeit ist das echte Gebet. Siebzig Jahre lang habe ich den Spruch wiederholt, aber seinen Sinn erst jetzt begriffen. Das ist die Wahrheit. Nein, mein Sohn, ich esse nicht, ohne zuvor gebetet zu haben." Ich kann ihm nicht widersprechen. „Hier, Vater, nehmt den Eimer, holt Wasser und laßt es die dürre Saat betauen. Aber nicht allein, Melech soll helfen."

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