Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 4 (April 1926)
- Article
- Der Traumsiedler
- Date
- 1926-04-01
- Page
- Seite 226 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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226 MENORAH Zwei junge Geschöpfe, die der Eigensinn der Seele sonst voneinander hält, laufen auf die Wiese und suchen im Dickicht die Schlange. Ein Vorwand wohl, ohne daß sie sich Rechenschaft darüber geben ... Abu Abdullah macht mir Sorgen. Wenn ich den Reis begieße, wenn ich nach der „Ziegeneuter" blicke, denke ich immer an ihn. (Ziegeneuter ist der Name unserer Schleuse. Ich habe ihn von den Kindern gehört.) Die Schleuse ist weit, aber von der Tiefebene kann ich sie sehen. Vor ihr ist alles öde, nur spärlich sieht das Auge einige grüne Flecken, Zebuions Feld, Aarons und Alfieris Saat. Hie und da schimmert das Wasser, das im Zickzack das Tal durchläuft, stellenweise streckt es sich. Wäre es von Bäumen umsäumt, so würde die „Ziegeneuter" meinem Blick verborgen bleiben. Jetzt ist mir die Öde willkommen, ich will die Schleuse sehen; denn sie kräftigt mich bei meiner Arbeit. Wir haben sie geschaffen und so werden wir auch das Flußbett graben und alles ausführen, was wir noch planen, alles, was noch in der Tiefe unserer Herzen keimt. Ich muß die Schleuse im Auge behalten und sehen, ob kein böser Mensch um sie lauert, der gerne zerstören möchte, was wir erbaut. Ja, Alfieri sagte Penina, als sie sich eines Tages nicht traute, das Vieh nach dem „Mohnkuchen" zu führen, sie möge unbesorgt sein, es gebe dort keine Schlangen mehr, die einzige habe Abu Abdullah hingebracht, der uns von dieser Gegend abschrecken wollte. Penina erzählte es Beracha und Beracha ist seither beruhigt. Sie beruhigt sogar die Kinder: „Geht nur, es gibt keine Schlange mehr auf dem ^Mohnkuchen'." Die Kinder .glauben es und fürchten nicht mehr. Allerdings hat ihnen der Ezekiel einen großen Schäferhund gebracht und Rüben, der Held und Schlangentöter, hält Übungen mit Stein und Stock ab. „Dort ist die Schlange, haut sie nieder!" Und unsere Kleinen rüsten sich zum Kampf. Sie gegen die Schlange, und die Erwachsenen gegen Abu Abdullah und die Seinen. Mich beunruhigt diese Rüstung. Fürchte ich den Kampf? Ja, ich will es nicht leugnen. Ich bin mir meines Menschentums bewußt und zu feig, um eigenes oder fremdes Blut zu vergießen. Wir sind Menschen geworden und da gibt es keinen Rückweg mehr. Abu Abdullah läßt sich neuerdings nicht blicken und das beunruhigt mich. Käme er, so würde ich Iljitschka herbeirufen und wir beide machten es ihm klar, daß wir ihre Brüder sind und den Frieden wollen. Da er aber nicht kommt, ringe ich im Herzen mit ihm und