Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 3 (März 1926)
- Article
- Wiens Dichter aus dem Judentum
- Date
- 1926-03-01
- Page
- Seite 178 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2912821-2912853-2912857-2917120--02965-2917231- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
178 MENORAH „Ganz vergessener Völker Müdigkeiten Kann ich nicht abtun von meinen Lidern .. entklang es einmal dem jungen Hofmannsthal. — Sie sind jüdischen Stammes und deutsche Poeten, die feinsten und stärksten von heute, denen ihr Judentum nur als subtile geistig-seelische Essenz beigemischt ist. Sie gehören zum kostbarsten kulturellen Besitz dieser Stadt. Wundersam schweben ost- und westliche Gelände über einer Kinderwiege in Beer-Hofmanns „Schlummerlied für Mirjam". Deutsches und „jüdisches" Wesen strömen hier ahnungsvoll und geisterhaft ineinander: „Schläfst du, Mirjam, Mirjam, mein Kind? Ufer nur sind wir und tief in uns rinnt Blut von Gewesnen — zu Kommenden rollt's — Blut unsrer Väter voll Unruh und Stolz. In uns sind alle. Wer fühlt sich allein? Du bist ihr Leben — ihr Leben ist dein — Mirjam — mein Leben — mein Kind — schlaf ein!" Und wenn etwas die Lächerlichkeit der Rassendoktrinen zu erweisen vermag, ist es die Tatsache, daß der einzige, der nach Johann Strauß alle Anmut und allen Duft des Wienertums für immer gestaltete, Arthur Schnitzler, aus dem Wiener Judentum hervorgegangen ... Aus einem alten jüdischen Friedhofe in Wien