Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 3 (März 1926)
- Article
- Hundert Jahre sakraler Kunst im Wiener Stadttempel
- Date
- 1926-03-01
- Page
- Seite 165 (sequence 1)
- Language
- German
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Hundert Jahre sakraler Kunst im Wiener Stadttempel nsere Gegenwart isl bestrebt, nein» Wege zur Entwicklung der I»_J Synagogenkunst aufzufinden. Seit Jahrzehnten sind viele jüdische Künstler bemüht, ihr Können und Wollen der sakralen Kunst dienstbar zu machen. Bedeutende Begabungen, talentvolle und ringende Persönlichkeiten haben zunächst in der Baukunst, teilweise jedoch auch wie der Bildhauer Arnold Zadikow in der künstlerischen Behandlung des Kultgerätes, versucht, die Synagoge zum Ziele ihres künstlerischen Schaffens zu nehmen. Die Zahl der großenteils im maurischen und romanischen Stile in allen größeren und reicheren Gemeinden der allen und der neuen Welt während der letzten sechzig Jahre errichteten Synagogen gibt ein beredtes Zeugnis für dieses Be mühen. Die Wiener Architekten Max. V 1 e i s c Ii e r. der streng im neogotischen Stil schul', und sein Zeitgenosse Wilhelm S l i a s s n y. die deutschen Juden Richard W o 1 1" t* e n s t e i n. Ludwig L e v y. Adolf W o I f 1 sind hier besonders hervorzuheben. Diese jüdischen Baukünstler haben jedoch trotz teilweise höchsten Könnens nichts geschulten, was die alten verschütteten Quellen j ü d i s c Ii e r Architektur des Altertums und des Mittelalters, zum Beispiel der polnischen Holzsynagogen, wieder erschlossen hätte4. L'nd so steht es auch um die Innenausstattung der imposanten oder auch pompösen Synagogen. Ihre Bemalung und Ausschmückung, ihre Beleuchtungskörper und Kultgeräte, die Paramente und Silberritualien, sind selten von gutem Geschmack und der erforderlichen Schönheit. Allzuviel Zutat herrsch! hier vor und aufdringliche Anwendung ..jüdischer*' Motive, besonders des ..Magen Dawid \ während Linie, Silhouette. Gliederung und Tönung oft durchaus fehlen. Sie sind weder stilgerecht in der Kunst, noch sind sie jüdisch. Der W i e n e r S ladt t e m p e 1 unterscheidet sich sehr wesentlich von all diesen modernen Synagogenbauten. Äußerlich ein schlichter Prol'an-Empirebau ist dieses Gotleshnus in seiner Innenarchitektur ein edles, durchaus stilgerechtes Kunstwerk seiner Zeit. Der jonische Säulensaal mit der einfachen Kuppel wirkt würde1- und geschmackvoll und erzielt auch bei sparsamster Ausstattung eine grandiose Einheit des Kindruckes. Allerdings — es ist kein Gotteshaus im Sinne des jüdischen Kmplindens und der Traditionen, die immer galten und \ on Jakob B r o n n e r