Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1926)
- Article
- Unsere Mutter
- Date
- 1926-02-01
- Page
- Seite 124 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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> is. is i-J zäj je: ju Unsere Mutter Von A. K. (10. Fortsetzung.) Jetzt ist es wohl auch an der Zeit, etwas über die Lebensführung der Familie zu sagen. Mutter war nicht nur in alle Geschäfte eingeweiht, Vater fragte sie auch in allen wichtigen Dingen um Rat. Er gehörte glücklicherweise nicht zu den Ehemännern, die ihre Gattinnen über ihre Verhältnisse im unklaren lassen, Mutter wußte immer ganz genau, wie es stand. Bezeichnend für das Vertrauen, das Vater zu Mutter hatte, ist der Umstand, daß er ihr nie ein bestimmtes Wirtschaftsgeld gab. Sie bekam am 1. des Monats ein paar hundert Gulden; sobald die ausgegeben waren, brauchte sie es nur zu sagen, um neues zu erhalten. Niemals sagte Vater ein Wort darüber, daß der Gebrauch vielleicht zu groß sei. Dagegen hatte er die Eigentümlichkeit, nicht gern von seinem Kleingeld herzugeben. Er gab Mutter lieber hundert Gulden als zehn Kupferkreuzer — das war aber nur, weil er mit seinem Geld peinlich genau Rechnung hielt und sich ärgerte, wenn ihm nicht alles aufs Haar stimmte. Dieses Vertrauen verdiente Mutter in vollem Maße. Niemals ließ sie sich gehen, obwohl sie doch aus wohlhabendem Hause und ungeheuer verwöhnt und im Grunde eine noble Natur war. Es gab Zeiten, da Vater — ich schrieb ihm eine Zeitlang, als seine Augen schwächer geworden waren, die Geschäftsbriefe und wußte auch mancherlei über den Geschäftsgang — wie es ja beim Wollehandel natürlich ist, an einer Post, die in der Wäsche gut ausfiel, viele tausend Gulden verdiente. An der Hausführung wurde darum nicht das allergeringste geändert, höchstens daß Mutter es sich vergönnte, ein paar Stücke Leinwand zu kaufen und hinzulegen. Übrigens wurde schon sehr früh begonnen, an der Wäscheausstattung Rosas zu arbeiten. Wir lernten Weißsticken, und Mutter sagte uns: ,,Ihr könnt gestickte, wenn auch einfache, praktische Wäsche haben, unter der Bedingung, daß ihr euch alles selber stickt." Wir waren sehr froh darüber und begannen eifrig zu sticken. An tausend Monogramme, ganz abgesehen von den Hemden und Polsterzichcn, wurden für eine einzige Wäscheausstattung gestickt, das alles besorgten wir drei Schwestern selber. Besonders Jetty stickte wie ein Teufel; in dem Geschäft, in dem wir die Sachen vorgedruckt bekamen, wollte man es absolut nicht glauben, daß wir so rasch mit der Arbeit fertig wurden. Die Vordruckerin ging einmal eine Wette mit Jetty ein — frühmorgens druckte sie ihr ein Dutzend großer Monogramme vor, am Abend hatte das vierzehnjährige Mädchen acht davon gestickt. Im Jahre 1877 war das Dutzend Kinder voll. Der älteste Bruder studierte in Wien Jus, als Hugo, unser Nesthäkchen, zur Wrelt, kam; der zweite, Moritz, studierte ebenfalls in Wien, aber an der Technik, Mathematik. Zehn waren also zu Hause, aber es ging verhältnismäßig ruhig zu, so wohlgeordnet war das Hauswesen. Mutter liebte alle Kinder gleich innig; in den Vordergrund trat nur immer dasjenige, das ihrer mehr bedurfte. Stets hatte sie das Bestreben, es sie nicht entgelten zu lassen, daß ihrer so viele waren. ,,Was ich tun kann, um sie gegen andere nicht zurückstehen zu sehen," sagte sie wiederholt, „das werde ich tun.'* Und wir konnten es mit den reichsten Kindern der Stadt aufnehmen, so schmuck waren wir immer angezogen. Nie kostbar oder elegant, aber immer geschmackvoll, und natürlich wurde alles zu Hause gearbeitet, und wir mußten, wenn die