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Menorah · 1926-02-01 · Heft 2 (Februar 1926) · p. Seite 119

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 2 (Februar 1926)
Article
Jean Paul und das althebräische Schrifttum
Date
1926-02-01
Page
Seite 119 (sequence 3)
Language
German
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JEAN PAUL UND DAS ALTHEBRÄISCHE SCHRIFTTUM 119 Fußnote) die Ansicht der Kabbalisten über das Händewaschen sehr zutreffend wieder. Für Quintus F i x 1 e i n weiß der Dichter keinen schöneren Beruf, als deutscher Massoret zu werden. Denn Quintus Fixlein ist ein Bewunderer der nachtalmudischen hebräischen Philologie, die man Massora heißt. In einem seiner eigenhändig geschriebenen Werklein von 1/12 Alphabet, die er im Manuskript, „vom Buchbinder in goldene Flügeldecken geschnürt'', in seine Büch er Sammlung mit einstellt, bemerkt einmal der Quintus ein wenig bitter: „Die Juden hätten ihre Masora, die ihnen sage, wie oft jeder Buchstabe in ihrer Bibel vorkomme, zum Beispiel das Aleph (das A) 42 377 — wieviel Verse darin stehen, wo alle Konsonanten darin auftreten — (26 Verse sind's) — oder nur 80 (3 sind's) — wie viele Verse man habe, worin gar 42 Wörter und 160 Konsonanten erscheinen (nur einer ist da, Jerem. XXI, 7) — welches der mittelste Buchstabe in einzelnen Büchern sei — (im Pentateuch 3. B. Mos. XI. 42 ist's das adelige V) oder gar in der ganzen Bibel. Wo haben aber wir Christen einen ähnlichen Masoreten für Luthers Bibel aufzuzeigen?" Diese Bibelvers- Statistik ist eines jener Jean Paulschen Einschiebsel, die satirisch wirken und doch nur Lesefrucht von alten Wissenszweigen sind. Gute Lesefrucht mit feinstem satirischem Kommentar ist beispielsweise folgender Satz (im „Siebenkäs"): „Obgleich die Rabbinen lehren, daß 12 Heukörbe mit leerem Gewäsche vom Himmel gefallen wären und daß 9 davon bloß die Weiber aufgegriffen hätten, so ist's doch nur mit der Einschränkung wahr, daß sich die Vorredner — und die Rechtsfreunde — besagte 9 Körbe zu ihrer Nutznießung erheiratet haben, von ihren Weibern als Eingebrachtes." Das Wort von den neun Körben ist talmudisch, und es verdient angemerkt zu werden, daß es im Talmud beiweitem jeanpaulischer klingt als bei Jean Paul selber. Im Traktat Kidduschin, Bl. 49 b, lautet der Satz wie folgt: „Zehn Maß Gespräch kamen auf die Welt herunter, neun davon nahmen die Weiber und eines die übrige Welt." Ähnliche rabbinische Bonmots findet man in nahezu allen Werken des Dichters verstreut. Besonders häufig gebraucht Jean Paul biblische Wendungen, die freilich in seiner Fassung Bild und Gleichnis werden, so, wenn er zum Beispiel den Vortag der Kirmes zu Kuhschnappel den Vorsabbat (einmal sogar den Vorschabbes) nennt, oder den Spielwarenraum des kleinen Maria Wuz die Stiftshütte der Kindheit, oder die Flitterwochen eines jungen Ehepaares das Laubhüttenfest des Herzens; oder wenn er einmal den prächtigen Satz hinschreibt: Eine Braut ist für jeden, der sie nicht heiratet, ein heiliges Schaubrot.

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