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Menorah · 1926-02-01 · Heft 2 (Februar 1926) · p. Seite 86

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 2 (Februar 1926)
Article
Studie zum Buche Ruth
Date
1926-02-01
Page
Seite 86 (sequence 9)
Language
German
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86 MENORAH des Orients mit einem göttlichen Geheimnis der Geburt umgeben.1' „Entweder ist der Vater göttlich oder die Mutter, oder die Empfängnis und Geburt ist göttlich beeinflußt." Das höchste oder tiefste Mysterium liegt dann in der vaterlosen Geburt eines Messias oder aber in der Reinheit nach einmaliger Berührung. Über die vaterlose Geburt als Vorzug schreibt Kraus z („Das Leben Jesu nach jüdischen Quellen", s. 212 fT.) ausführlich. Er behauptet richtig: „Die vaterlose Geburt ist in der Sagenwelt ein Vorzug oder das Vorrecht hochgestellter erhabener Personen und besonders der Religionsstifter." Malkizedek (Genes. 14, 17—19) ist nach dem Hebräerbrief 7, 3 „ohne Vater, ohne Mutter, ohne Geschlecht". Epiphanius (adv. hoeres. XXXV) bringt namens der Juden vor, daß Malkizedek Sohn einer „Porne" war. Midrasch (Genes. 63, 3) identifiziert ihn mit Sem und gibt ihm Thamar zur Tochter. (Krausz ibd,) Ebenso gilt die außereheliche Geburt bei den alten Hebräern nicht für so verwerflich wie bei uns. „Es zieht sich durch die altjüdische Literatur eine Gedankenrichtung, welche den Heroen und Heiligen eine außereheliche Geburt zuschreibt" (vergl. Krausz ibd., S. 215). Das gilt von Thamar, Rahab und Ruth, in weiterem Sinne dann von David, dem Messias und Jesus. Auch Jerobeam ist nach dem Lucianischen Texte der Septuaginta (cd. Lagarde, 1883) auf Grund von I. Reg. 11, 26 Sohn einer Buhlerin. (Gyne porne.) Zu demselben Vorstellungskreis gehört Jischais Liebe zu einer Sklavin. (Quellen bei Zunz; Synag. Poesie, S. 129, Ruth r. C. 2, 9) und auch die „escheth zenunim" bei den Propheten. VV as uns an diesen merkwürdigen Zusammenhängen interessieren muß, ist die Tatsache, daß wir in den hebräischen Traditionen, aus welcher Zeit ihre literarische Niederlegung immer stammen möge, uralte Anschauungen und urtümliche Empfindungen der Volksseele vor uns haben. Sie gehen auf Zeiten zurück, die sich geschichtlicher Erfassung entziehen und gehören in das Gebiet jener Äußerungen der Volksseele, die allen Völkern gemeinsam sind, bei jedem Volke aber nach seiner Art zum Ausdruck gelangen; auch hier kann man sagen: diese Dinge sind uralt und geheim, das sind alte, entlegene Dinge, deren Sinn erst bei tieferem Eindringen begriffen werden kann. Sind sie aber verstanden, dann eröffnen sie den Einblick in die Werkstätte des schöpferischen ältesten Mythos, der oft mehr von der Wirklichkeit langvergangener Tage erzählt als das Konkrete, chronologisch und sachlich feststellbare Ereignis. 7.

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