Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1926)
- Article
- Dr. Ignaz Schwarz
- Date
- 1926-02-01
- Page
- Seite 69 (sequence 2)
- Language
- German
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DR. IGNAZ SCHWARZ 69 Doktor der gesamten Heilkunde in Kondition hei der bekannten Kunst- und Antiquariats- (irma Gilhofcr & Ranschburg. Hier hatte er reichlich Gelegenheit sein Können zu erweitern und zu vertiefen. All die ausgezeichneten Kataloge, die in den Jahren seiner Tätigkeit von der Firma Gilhofer & Ranschburg ausgegeben wurden, sind sein Werk. Dr. Schwarz fand aber auch die Muße zur Abfassung einer Reihe von kleineren und größeren Studien und Monographien, so um nur die bedeutenderen zu nennen: Die Edition der Briefe des Erzherzogs Stephan an den Direktor der geologischen Reichsanstalt Wilhelm Haidinger, Wien 1897; Die Beschreibung der medizinischen Handschriften der Universitätsbibliothek in Würzburg, Würzburg 1907; Katalog einer Ridinger-Sammlung, 2 Bände, Wien 1910 (Sammlung Rudolf von Gutmann); Wiener Slraßenbilder aus dem Zeilaller des Rokoko, Wien 1914; Geschichte des Wiener Apothekerwesens im Mittelalter, Wien 1917. Seine gründlichen Kenntnisse der Wiener Lokalgeschichte führten ihn auch zur Wiener Judengeschichte. Die vielen Irrtümer ,der älteren /und neueren Historiographien in der topographischen Bestimmung der mittelalterlichen Wiener Judensiedlung veranlaßten ihn, die Untersuchung von neuem aufzunehmen. Die Früchte seiner Studien sind im Werke „Das Wiener Ghetto" niedergelegt, das als zweiter Band in den Quellen zur Geschichte der Juden in Deutsch-Österreich 1909 in Wien' erschienen ist. Das Buch stellt in seinem ersten Teil ein Werk echter Forschung dar und enthält in seinem zweiten Teil eine wichtige Malcrialsammlung, die von mir vielfach schon ausgewertet wurde und der einschlägigen Forschung noch weiter sichere Anhaltspunkte bieten wird. Die Vorstudien zu diesem Werke führten ihn etwa 1907 oder 1908 zu mir. Seit dieser Zeit hatte ich oft Gelegenheit, auch den Menschen näher kennenzulernen. Ihn zeichnete eine neidlose Bewunderung fremder Leistungen aus. Daß er ein sicheres Urteil hatte, ist ja bei einem Menschen, der beruflich den Kitsch vom Echten scheiden mußte, etwas Selbstverständliches, Wieviele aber haben die Kraft, dem lebendigen Menschen Objektivität entgegenzubringen? Sympathisch berührte sein offenes, von jeder Konvenienz und Aufmachung freies Wesen, der Mangel jener Höflichkeit, die oft das eigene Schuldbewußtsein zu verhüllen bestrebt ist. Ungezwungen in seinem Gehaben, nicht gerade verschwenderisch in seiner Rede, war Doktor Schwarz eine durchaus gülige Natur. Nun ist dieser werlvolle Mensch früh ins Grab gesunken. Alle, die ihn kannten, werden ihm ein treues Andenken bewahren. Aber darüber hinaus hat Dr. Ignaz Schwarz durch seine Arbeilen selbst gesorgt, daß sein Name im Gedächtnis bleibt. VERZEICHNIS DER VERÖFFENTLICHUNGEN DR. IGNAZ SCHWARZ' AUF JÜDISCH-WISSENSCHAFT¬ LICHEM GEBIETE Das Judenbuch der Scheffstraße zu Wien. Herausgegeben von Dr. Artur Goldmann. Rezension. Gezeichnet: Dr. J. Seh. Österreichische Wochenschrift 1908. Jahrgang XXV, S. 849 und 850. Das Wiener Ghetto. Seine Häuser und seine Bewohner, mit 2 Plänen und 7 Textillustrationen (Quellen und Forschungen zur Geschichte der Juden in Deutsch- Österreich, II. Band). Wien, Wilhelm Braumüller, 1909, VIII, 314 S. Zur Mortalitätsstatistik der Wiener Ghctfohewohncr 16A8—1669. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. 1910, S. 49—61. Die Wiener Juden und das Aufgebot 1797. Mit einer Abbildung. Ost und West, 1910, X, S. 533—538. Das Adelsdiplom Jacob Bassevis vom 18. Jänner 1622. Österreichische Wochenschrift, 1911, XXVIII, S. 603—605. Geschichte der Juden in Wien bis zum Jahre 1625. Mit 9 Texlfiguren und 9 Tafeln. Wien, Kommissionsverlag Gilhofer & Ranschburg, 1913, Fol. VIII, 64 S. (Separat-