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Menorah · 1926-01-01 · Heft 1 (Januar 1926) · p. Seite 59

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 1 (Januar 1926)
Article
Vier Palästina-Bücher [Rezension]
Date
1926-01-01
Page
Seite 59 (sequence 3)
Language
German
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BIBLIOGRAPHIE 59 mic. Wir können die dynamischen Kräfte nicht berechnen und mit ihnen Gesetze aufstellen. Ans solchen Erwägungen heraus stellt der Wissenschaftler Ruppin nur Tatsachen fest, zeigt Vor- und Nachteile auf, enthält sich aber jedes Werturteiles. Auch in diesem Buche können wir zwei Teile unterscheiden, den ersten, der uns die Prinzipien und Tatsachen des Kolonisationswerkes vermittelt und auf ihnen basierend, den zweiten Teil, der die Streitfragen aufrollt. Ruppin hat dieses Buch gleichsam als Testament bei seinem Ausscheiden aus dem Amt des Kolonisationsleiters hinterlassen. Holten wir. daß es nur der Prolog des Stückes sei. bei dem wir Ruppin als Regisseur wieder auf dem Posten hoffen. In anderer Weise beschäftigt sich mit diesen Problemen der Berliner Volkswirt. Dr. Felix Pinner, dessen Artikel aus dem ..Berliner Tagblatt" nunmehr unter dem Titel: ,,D a s n e u e Pal ä s t i n a'\ volkswirtschaftliche Studien, (gesammelt R. Morse. Berlin) erschienen sind. Während Ruppin aus einer ununterbrochenen Arbeit, mitten aus der Fülle der Arbeit heraus, zur Feder greift, betrachtet Pinner als Außenstehender die Probleme. Er nimmt Stichproben vor, analysiert, zergliedert und skizziert und so gibt er eine gute Einleitung zu Ruppins Werk ab. Eine Gruppe aus den wirtschaftlichen Fragen greift Dr. A. Gra n o v s k y: ,,P r ob 1 e m c der Bodenpolitik in Pal äs t i n a" (Jüdischer Verlag. Berlin) heraus. Der Autor behandelt die verschiedenen Fragen, die durch die Bodenspekulation des abgelaufenen Jahres besonders brennend wurden, wie die Frage des nationalen Bodenerwerbs, der Privatinitiative, Spekulation und ihre Bekämpfung u. a. Die einzige Lösung, des A und O ist nach seiner Meinung die Stärkung des Keren Kajemeth. Auf die Frage des staatlichen Bodens wurde leider nicht eingegangen. Wir empfehlen jedem, der sich mit dem Palästina-Problem befaßt, die Lektüre dieser Bücher. Dr. Konrad Prunner. DAVID BERGELSON: Am Bahnhof. Deutsch von Alexander Eliasberg. Verlag Benj. Marz, Berlin. Eines der ältesten Bücher des heute wohl populärsten Dichters jüdischer Sprache. Die feinsinnigen Novellen erschließen ein ganzes Stück des jüdischen Daseins in den Ostländern. Ihre eigentümliche Stimmung kann durch einfache Schilderung nicht wiedergegeben werden, ist nur beim Lesen selbst zu verspüren. Westliche Schreibart und Technik ist in fliesen Erzählungen zu erkennen, wo ein genialer Realismus des Wortes, schmerzlichstes Leiden der Menschenseele in zauberhaft geruhige Formen bannt. Diese Kunst erhebt das Buch über die Zeit, in der es geschaffen, zu einem bleibenden Werke der ostjüdisehen Literatur. MAX BROD: Reubeni, Fürst der Juden. Kurt Wölfl1-Verlag. München 1925. Max Brods letztes Werk gehört zu den historischen Romanen, die nicht bloß eine belletristische Folie für eine Persönlichkeit oder eine Epoche darstellen. Das Schicksal Rcubenis. des mysteriösen und abenteuerlichen Messias des 1(>. Jahrhundeiis ist bisher im Dunkel der jüdischen Geschichte verborgen gewesen; galt er doch als einer der vielen Schwärmer, die die unerträglichen Leiden des jüdischen Volkes durch die Rückkehr nach Palästina beenden wollten. Aus diesem unbekannten Menschen, von dem man nicht weiß, woher er kam und wo er endete, hat Brod eine historische Figur geschaffen und ihr Leben und hohen Inhalt verliehen. Zwischen den farbigen Kulissen eines großartig entworfenen Zeitgemäldes der Renaissance, bewegt sich Reubeni nicht als der Jude seiner Zeit. Es ist Brod gelungen, in ihm einen jüdischen Führer zu gestalten, der mit den Mitteln einer Weltpolitik die Geschehnisse zugunsten der Juden beeinflussen wollte. Dadurch besitzt Brods Roman große Gegenwartsbedeutung. Seine Heiden und ihre Seelenkonflikte spiegeln oft die Menschen und Kämpfe unserer Zeit. Max Richter.

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