Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1926)
- Article
- Der Traumsiedler
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2912821-2912853-2912855-2916744--02675-2916860- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
52 MENORAH Wie ich diesen Augenblick herbeigesehnt habe! Und jetzt, da er gekommen ist, bietet er für mich weder Freude noch Befriedigung. Nur Unruhe und Angst. Als wir herkamen, waren wir des Glaubens: hier umhüllt uns die Arbeit mit ihrem ruhevollen Himmel. Und siehe da! Die Angst folgte uns mit ihrem ewigen Schatten. Abu Abdullah, der uns mit Wallen bedroht, ist der Kosake, und die Schlange die Geißel der verkrusteten Erde. Wir können nicht froh werden des Lebens, so lustig auch Iljitschka lacht und immer wieder behauptet, es sei keine Gefahr. Wer glaubt es denn? Und wäre die Gefahr für heute bestanden, so kehrt sie doch morgen zurück. Die Gefahr kommt uns verkleidet nach. Und der Fluch und der Aberglaube auch. Der Fluch erfaßt uns — sagte Iljitschka. Er spottete nur. Zriel schaut Nachmen nach: — Brot und ein Kleid wollte er haben. Wir hätten ihn nicht verjagen sollen. Das eine Auge des Litauers ist so seltsam! Eine urschwarze Furcht flammt in ihm auf: — Wir hätten es nicht tun sollen. Wie schwach sind wir jetzt, der starke Ezekiel und die beiden Song! Wie kraftlos Iljitschkas Lächeln! . .. Hätten wir es nicht tun sollen? Das IX. Kapitel folgt in der nächsten Nummer Däm m erung Ein schwerer Nebel liegt über den Weiden, Wie wartendes Leid über zitternden Freuden. Der Abend lauscht schon über den Flüssen Und seine Schatten gehen zur Ruh. Und über die Wiesen gleitet das Dunkel Mit heimlichen Klängen, Als wollte es singen Die Gräser, die süßen, In Schlaf . .. Elsa Eisler.