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Menorah · 1926-01-01 · Heft 1 (Januar 1926) · p. Seite 38

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 1 (Januar 1926)
Article
Telschi
Date
1926-01-01
Page
Seite 38 (sequence 2)
Language
German
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38 MENORAH andern das Gefängnis. Und zwischen dem Glockenläuten dort und dem Kettenklirren hier, den Hallelujahs in den dunklen Bankreihen und den Flüchen in den dumpfen Zellen spielt sich ein lebendiger, ja zeitweise überlebendiger Tag der jüdischen Gasse ab, und gleichsam wieder in ihr eingekapselt, das eigentliche Ziel unserer Fahrt: das Leben der „Jeschiwah". Was ist das: eine Jeschiwah? Darüber kann man verschieden unterrichtet werden. Die einen werden das definieren wollen als eine Talmudhochschule, wie es sie in den vergangenen Jahrhunderten fast überall gab. Die anderen, schon etwas positiver zu ihr eingestellt, werden sie als eine überholte Einrichtung nationalistischen Rabbinismus verurteilen oder gar als kulturfeindliche, weltfremde Schule einer talmudischen Gedankenspielerei verachten wollen. Und was ist ein „Jeschiwah-ßachur"? Da wird wohl die Auskunft aller einigermaßen mit den Begriffen Vertrauten ungefähr so lauten: Ein Jüngling, noch fast Knabe, mit altmodischen, zerrissenen Kleidern, Schläfenlocken, die um ein Gesicht tanzen, dem der Hunger, die Bücherluft die Züge gegraben haben. Entweder ist er ein fanatisch den Prinzipien der Schule Ergebener oder ein ebenso extremer Revolutionär gegen sie — ein Maskil1). Viele können den Begriff der Jeschiwah noch nicht von der Vorstellung im geheimen gelesener deutscher Bücher trennen. Vielen steht das Bild des Mathmid inmitten der alle Schranken durchbrechenden Gefährten zi> eng geknüpft an das Wort Jeschiwah, als daß sie sich von den heute bestehenden Lehrhäusern dieser Art, das den Tatsachen gerecht werdende Urteil bilden könnten. Vielleicht folgt man mir nun, um sich von der Zulänglichkeit der Behauptungen zu überzeugen, in die Jeschiwah selbst, tritt man mit mir in den Raum der Talmudlehre dieser Tage. Es ist gerade mitten in der für den Nachmittag festgesetzten Arbeitszeit. In langen Bankreihen sitzen da zirka 250 junge Menschen im Alter von 17 bis 23 Jahren, jeder vor sich einen Ständer mit einem Talmudexemplar. Rhythmische Bewegungen begleiten einen mehr oder weniger leisen Singsang, in dem die Texte gelesen werden. Die Augen scheinen bei einigen wie von dem Willen besessen in die Worte hineinzukriechen; anderen schweift der Blick über den Rand des Buches hinaus, heftet sich an ein ungewisses Fernes — doch selbst dabei geht *) Maskil Aufgeklärter.

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