Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1926)
- Article
- Die Bestattung des Zedekia, letzten Königs der Juden
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 1)
- Language
- German
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Die Bestattung des Zedekia, letzten Königs der Juden Von Ernst Weiss Als Jojakim die eisernen Ketten seines Bruders Zedekia so leicht und silberklingend gegen seine eigenen Knie sc hlagen hörte, und sich das leblose Haupt seines Bruders nach hinten beugte, so willenlos, bis ins letzte ihm hingegeben, als in dem zerbrochenen Spiegel der blauen, toten Augen der Widerschein der verlassenen Schlangenhöhle sich erhob und der lange verschlossene Mund des Toten sich Öffnete zu kaum geflüstertem Seufzer, zum stummen Abschiedswort, und die Reihen der weißen, hohen Zähne sich entblößten unter den Wolken des im Morgenwinde seidig erglänzenden Bartes, da endete er, Jojakim, die Jahre des Jammers, er verließ auf immer das Weib der zerstörten Heimat, das Kind der schwarzen Winter, das Haus in der Grube nahe den Ställen, die Quadern ohne Dach, das böse Wasser im stehenden Teich, den blinden Himmel, das unfruchtbare Land voll Schweigen. Er erkannte den Fluch Gottes. Er wußte, wer er war und wollte es nicht mehr sein. Er hielt sich aufrecht, erstarkt ging er auf dem feuchten, roten Sande des kaiserlichen Parkes der Höhe Babylons. In immer heller werdendem Grün wanderte er unter breiten Bäumen, spitzen Pappeln, weit gebauschten Palmen, blaublühenden, goldumrindeten Fächergewächsen, gepreßten, steingrünen Sykomoren. Allmählich entglitt der Hauch des stehenden Gewässers, der Dunst der stumm in Beeten verdorrenden Blumen, der Brodem der gemauerten Höhle, in der Schlangen und Nattern zu lange gehaust. Freudiger stieg er über knisternde hellere Wiesen, auf frischere Höhen. Er richtete sich auf über die beiden Boten, er wuchs über Diener, Knechte, Krieger und Sklaven des Kaisers. Er war Herr wie einst, gesalbt mit dem königlichen öl Jerusalems, Träger der heiligen, jüdischen Krone, da er seinen letzten Fürsten mühelos trug auf seinen starken Armen. Er stieg über reine Treppen, kühle Stufen, an blaßroten Kapellen vorüber, wo in weiten Höfen üchtlose Flammen brannten vor goldenen, silbernen, sandfarbenen, milchweißen Göttern. Es ragten Männergestalten und Tiere, Herren im Panzer mit kurzem Schwert und Frauen in fließendem Kleide, aus rauhem, feuerfarbenen Ton gebrannt. Hohe Opfertische trugen Früchte viel, feucht vom Tau, wie mit Wachs milchig bereift, Trauben