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Menorah · 1926-01-01 · Heft 1 (Januar 1926) · p. Seite 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 1 (Januar 1926)
Article
Wie die Alten die Bibel deuteten
Date
1926-01-01
Page
Seite 20 (sequence 1)
Language
German
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Wie die Alten die Bibel deuteten Von Max Diene mann Der Midrasch, die Bibelauslegung der ältesten Deuter der Bibel, ist nicht bloß deshalb für uns so wertvoll und anziehend, weil er die Fülle von schönen und tiefen Legenden in sich birgt, die, losgelöst von dem Zusammenhang, in dem sie einstens entstanden, ihr Leben in sich tragen und reizvoll in ihrer Geschlossenheit sind, oder weil er die schier unübersehbare Fülle von ethischen Anleitungen enthält, die das Werk der Erziehung an den Geschlechtern Israels fort und fort vollenden; er ist so reizvoll und anziehend, weil er uns einen Einblick gibt in die naive Art, in der die Alten die Erzählungen der Bibel weiterspannen, teils um Anstößiges und Unangenehmes auszuschalten, teils um scheinbar gleichgültige und nebensächliche Worte zu betonen und ihnen tieferen Sinn zu geben, teils auch um an Stellen, wo die Bibel nur ganz verschwommene Konturen zeichnet, die Striche der Schilderung deutlicher zu ziehen, damit das Bild der Persönlichkeit stärker hervortrete. Dabei ist nun vor allem bemerkenswert die Naivetät, mit der über den Unterschied in den Lebensformen der alten Zeit und denen der Zeit des Deuters hinweggegangen wird, und wie ganz harmlos Verhältnisse einer stark durchzivilisierten Zeit auf primitivere Zeiten übertragen werden. Bemerkenswert ist aber ferner auch die Kraft, die Darstellung der Bibel aus ihrer Getragenheit und Heiligkeit herauszuheben und die Menschen erstehen zu lassen, so handelnd und sich bewegend wie die Menschen der täglichen Umgebung; und doch nicht ganz so wie die Menschen der täglichen Umgebung, denn bei diesen ist kein Wunder wahrzunehmen, und jenen der alten Zeit ist das Wunder tägliches Geschenk, das in ihr Leben hineingemischt wird. An einer Folge von Beispielen sei diese wundervolle, so gar nicht „heilige", gar nicht respektvolle Art der Deutung illustriert. Wir wählen als erstes die Erzählung von Abrahams und Sarahs Zug nach Ägypten. Wie lautet die einfache Erzählung der Bibel? „Es war Hungersnot im Lande, da schickte Abram sich an, nach Ägypten hinunterzusteigen, denn schwer wütete die Hungersnot im Lande. Und als er in die Nähe Ägyptens kam, sprach er zu Sarai seinem Weibe: siehe, ich merke, daß du eine schöne Frau bist. Und wenn dich nun die Ägypter sehen werden und sprechen werden, das ist seine Frau, so werden sie mich totschlagen und dich am Leben lassen. Sage doch, du bist meine Schwester, damit es mir deinetwegen gut ergehe und

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