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Menorah · 1926-01-01 · Heft 1 (Januar 1926) · p. Seite 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 1 (Januar 1926)
Article
Die Samaritaner
Date
1926-01-01
Page
Seite 8 (sequence 4)
Language
German
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8 MENORA II dann fest, als V e s p a s i a n und später Titus Judäa hart bedrängten. Die Samaritaner kämpften tapfer und erlitten schwere Verluste. Dasselbe wiederholte sich als B a r K o c h b a die Juden zum letzten Kampfe gegen die Römer aufrief. In großen Scharen zogen die Samaritaner herbei. Allerdings ist ihre diesmalige Haltung weniger hoch anzuschlagen; denn auch viele Heiden schlössen sich jetzt den Juden an, da das römische Joch alle in gleicher Weise drückte. Dennoch hat dieses Verhalten der Samaritaner mildernd auf den jahrhundertelangen Gegensatz gewirkt. Diese Wirkung ging so weit, daß ein von Rabbi M e i r, der um die Reinheit des Judentums besorgt war, eingebrachter Antrag, die Samaritaner als Heiden zu betrachten, abgelehnt wurde. Man pflegte mit ihnen jetzt ohne Bedenken Umgang und Geschäftsverkehr und Rabbi Jochanan erlaubte sogar, Fleisch von den Samaritanern zu kaufen. Später wurden freilich wieder strenge Maßnahmen gegen die zu nahe Berührung mit den Samaritanern ergriffen und eine reinliche Scheidung durchgeführt. In dem Bürgerkriege zwischen Septimiiis Severus und P. Niger (193) standen sich Samaritaner und Juden wieder feindlich gegenüber und fügten sich gegenseitig schwere Verluste bei. Die Juden, die auf Seile des Sepiimius Severus standen, hatten mehr Glück; den Samaritanern hingegen, die für Niger Partei ergriffen hatten, wurde dann yuv Strafe das Bürgerrecht entzogen. Interessant ist die Haltung, die gelegenI lieh von dritter Seile gegen die Samaritaner eingenommen wurde. Während in der ersten Zeil nach Auftreten Christus' ..Heiden u n <! S a m a r i t a n e r" den Juden g e g e nü b e r gestellt werden (Ev. Matth., X, 5—(i), sehen wir später Juden und Samaritaner nebeneinander gestellt und in gleicher Weise1 behandelt. So verbietet der Kaiser Hojiorius Juden u n d Samaritanern o Si n e 1' n l e r sc h i e d in gleicher Weise die Teilnahme am Militärdienste. Ähnlich war auch die Haltung Kaiser Justinians. der anfangs zwischen Juden und Samaritanern keinen Unterschied bei ihrer Behandlung machte. Später bevorzugte er allerdings die Juden, nachdem die Samaritaner mehrere Aufstände gegen ihn versucht und sich sogar einen König Julian Bar-Sabar gewählt hatten. Diokletian hingegen stellte die Samaritaner den Christen gleich und verfolgte beide mit demselben Hasse. Es war eben der Fluch der Mischreligion, daß die einen die Samaritaner als Heiden, die anderen als Juden, die dritten schließlich als Christen betrachteten. Als die Bedeutung des jüdischen Volkes auf dem Boden Palästinas vollständig aufhört, verschwindet hiemit auch die letzte Spur der samaritanischen Geschichte, die, wie oben bemerkt, nur neben der jüdischen Geschichte ihre Existenz fristete. Heute gibt es, wie eingangs bereits erwähnt, in Nablus nur noch eine geringe Anzahl von Samaritanern. Alljährlich bringen sie noch jetzt auf dem Berge Gerizim nach dem Wortlaut der Thora ein blutiges Passah- Opfer dar, ein Akt. der zahlreiche Neugierige herbeilockt. Das gegenwärtige Verhältnis der palästinensischen Juden -jx\ den Samaritanern ist ein durchaus freundschaftliches. Es fällt selbstverständlich keinem Juden ein. die jetzt lebenden Samaritaner für die einstigen Vergehen ihrer Ahnen verantwortlich zu machen. Über die angebliche Barmherzigkeil und Hilfsbereitschaft der einstigen Samaritaner weiß die Geschichte nichts zu berichten. Nur eine einzige Stelle im Ev. Lukas (X, 25—40) deutet darauf hin und die „Samarilanervereine'*. die sich zum Ziele gesetzt haben. Verunglückten die erste Hilfe zu bringen, seheinen ihre Bezeichnung der gedachten Stelle im Ev. Lukas zu verdanken. In einem großen Widerspruche zu dieser Auffassung von den Samaritanern scheint allerdings jene oben genannte Stelle im Ev. Matth.. X, 5. zu stehen, wo die Samaritaner den Heiden im bösen Sinne gleichgestellt werden.

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